Stranger Than Usual

Bye, Windows

Im Jahr 2007 habe ich das erste Mal dauerhaft eine Linuxinstallation auf meinem Computer gehabt. Ich hatte schon vorher mit Linux experimentiert, bin aber immer gescheitert, üblicherweise an der Bootloaded Dual-Boot-Konfiguration mit Windows. Damals war das ei SuSE Linux. Nach einem Jahr hatte ich die Schnauze voll von SuSE und bin auf Gentoo umgestiegen. Ich habe in der ersten Woche mit Gentoo mehr gelernt als in einem Jahr mit SuSE, und habe einen Freund dermaßen zugetextet, dass er meinte, ich solle doch ein Blog anfangen. Also habe ich ein Blog angefangen.

Ich nutze Linux also seit gut 19 Jahren. Und obwohl ich auf meinen Laptops seitdem immer nur Linux hatte (meinen ersten Laptop habe ich erst nach meinem Abitur, vor Beginn meines Informatikstudiums bekommen), habe ich trotzdem immer noch eine Kiste gehabt, auf der im Dualboot Windows und Linux liefen.

Warum Windows? Ich komme mit Linux viel besser klar, und kam auch 2018 schon mit Linux viel besser klar. Für alles, was ich mit einem Computer machen wollte, gab es unter Linux ein Programm, mit dem ich genausogut oder besser klar kam. Browser? Der gleiche Browser (obwohl ich ein paar Probleme mit Flash und Java-Applets hatte, aber die gehören ja mittlerweile der Vergangenheit an). Abspielen von Audiodateien? Kein Problem. DVDs anschauen? libdvdcss. Programmieren? Fast alles davon läuft besser unter Linux. Es lief also alles. Außer Computerspielen.

Ich spiele immer wieder gerne. Und Spiele sind nicht wie Browser, oder Audioplayer, oder Videoplayer. Wenn dir ein Spiel gefällt, gibt es üblicherweise keine Open-Source-Alternative. Abgesehen davon war der Grafikkartensupport unter Linux immer scheußlich. Nun, letzteres hat sich geändert, nicht zuletzt, weil zunächst Cryptocurrency-Bros und „AI“-Rechenzentrum plötzlich genau diese Art von Rechenleistung brauchten. Die Kompatibilität der Spiele blieb ein Problem. Gut, es gab Wine, aber das lief nur so mäßig gut.

Darum also Windows. Und warum möchte ich jetzt so dringen davon weg? Nun, mein Spielerechner von 2019 läuft noch mit Windows 10. Und für ein Update zu Windows 11 fehlt ihm ein Trusted Platform Module-Chip der Version 2. Ansonsten würde die Hardware das ohne Probleme schaffen. Außerdem gibt es einige andere Unannehmlichkeiten mit Windows 11: Man braucht einen Microsoft-Account, um sich auf dem Rechner lokal einzuloggen, Microsoft stopft es voll mit „AI“-Tools, die ich nicht will (Stichwort MS Recall)… die Liste lässt sich fortsetzen.

Jetzt möchte ich meinen Spielerechner aber eigentlich behalten. Die Hardware ist noch völlig ausreichend für alle Spiele, die ich spiele. Neue Hardware ist teuer, insbesondere weil ein paar gehypete Konzerne allen RAM auf dem Markt gekauft haben (oder zumindest versprochen haben, sie würden das tun). Steam hat die „Steam Machine“ angekündigt, ein Standrechner auf Linuxbasis, mit dem man alle möglichen Steam-Spiele spielen kann. Aber das wird ja auch teuer…

Nur: Wenn Steam es schafft, Windows-Spiele auf der eigenen Linux-basierten Plattform zum laufen zu bringen, dann ja sicher auch auch meinem eigenen Linux-System. Ich bin ja kein großer Steam-Fan, aber dass Steam seit 2012 Linux unterstützt kann ich ihnen wirklich nur hoch anrechnen. Nicht nur haben sie einen Linux-Client, nein, sie haben auch viele eigene Spiele (z.B. Portal) nach Linu portiert und Spieleentwickler dazu ermutigt, das auch zu tun. Und sie haben Wine genommen und es zu Proton weiterentwickelt, so dass es eine Kompatibilitätsschicht zwischen Windows-Spielen und Linux-Betriebssystemen gibt.

Also habe ich mich am Montag daran gesetzt. Ich hatte das alte Linux von 2019 sträflich vernachlässigt und nicht geupdated, also habe ich es mir einfach gemacht und die Linux-Partition mit einem neuen Ubuntu 2026.04 überbügelt. Und Steam installiert. Erste Tests liefen erfolgreich. Aber ein etwas aufwändigeres Spiel (Sea of Thieves) konnte ich erst gestern ausprobieren, weil das 130 GiB zum Download sind und ich den Download tagsüber nicht laufen lassen kann, weil ich von zu Hause arbeite (deutsches Internet halt).

Ich musste zunächst ein bisshen herumfummeln (die Proton-Version auf die letzte stabile Version fixieren anstelle die Unstable-Version zu nehmen) aber danach lief Sea of Thieves ohne Probleme. Und Proton funktioniert ja nicht nur mit über Steam installierten Spielen. Ich kann also meine alten Spiele, oder Spiele, die ich über andere Anbieter bezogen habe, auch spielen. Vielleicht probiere ich auch den Heroic Games Launcher aus, ein Open Source-Projekt, dass das noch etwas einfacher machen soll (ist bastle zwar gerne, aber bei manchen Sachen möchte ich, dass sie einfach funktionieren).

Also Das ist es. Nach 19 Jahren Linux kann ich endlich Windows verlassen. Good riddance!