Stranger Than Usual

Die beste Krankheit taugt nichts.

— Ruth Blumenröder

Rollenspielszenen: Kriminelle Konstrukte

Rollenspielszene. Wir sind in der nächsten Stadt in Galt angekommen. Die Stadt wird größtenteils von Banden beherrscht, nachdem das Stadtviertel, in dem die herrschende Klasse wohnte, vor zwanzig bis dreißig Jahren mysteriöserweise explodiert ist. Eine Hinterlassenschaft dieser Klasse sind jedoch Metallkonstrukte von mäßiger Intelligenz und geringer Eigeninitiative, die versuchen, die Ordnung in der Stadt aufrecht zu erhalten.

Direkt am ersten Abend passiert in der Nähe unserer Unterkunft ein Mord. Vom Tatort weg (in Richtung eines Kanaldeckels) führen Spuren zweier kleiner Personen und einer menschengroßen Person. Thivuc fängt an zu spekulieren: Vielleicht gibt es hier Rattenmenschen? Gibt es wandelnde Pilze? Und wenn es große Wachkonstrukte gibt, die Gesetzesverstöße hart bestrafen, warum soll es dann nicht auch kleine Kriminalkonstrukte geben, die Verbrechen begehen? Fredegar ist nicht überzeugt: Warum sollte jemand viel Geld für Kriminalkonstrukte ausgeben? Viel wahrscheinlicher sind doch die Rattenmenschen, oder einfach kriminelle Halblinge oder Gnome, die die Kanalisation als Fluchtweg nutzen.

Am nächsten Tag haben wir dann ein Treffen mit einem Informaten, weil Dolgrim, Zwerg und Kopfgeldjäger, hofft, in dieser Stadt eine gesuchte Mörderin zu finden. Tatsächlich gibt es Hinweise auf die gesuchte Person: Sie hat sich einer Bande von Wyrwoods angeschlossen, die sich in der Kanalisation aufhält. Die Gruppe schaut fragend Julien, den Magier an. Der erklärt: Wyrwoods sind Holzkonstrukte mit freiem Willen, die von Magiern geschaffen wurden aber dann gegen sie rebellierten.

Thivuc lacht triumphierend:

Hah! Kriminalkonstrukte!

Hörnchen oder Waffel?

Im Jahr 2013, als ich gerade meine Masterarbeit geschrieben habe, haben mich ein paar Doktoranden auf den Atlas zur deutschen Alltagssprache hingewiesen. Der wird von Professoren an der Uni Salzburg erstellt und enthält Karten, welche Begriffe in der Alltagssprache wo in deutschsprachigen Gebieten vertraut sind. Zum Beispiel, wo bevorzugt „Samstag“ und wo „Sonnabend“ verwendet wird.

Es Daten kommen aus Umfragen, man kann auf der Seite dann die aktuelle Umfrage ausfüllen. Ich kann nur empfehlen, da einfach mal mitzumachen. Das verbessert die Datenqualität und braucht nicht viel Zeit. Außerdem ist es immer mal interessant zu sehen, welche gefühlt abstrusen Begriffe, Suffixe oder grammatikalischen Konstrukte in verschiedenen Gegenden von Deutschland, Österreich und der Schweiz genutzt werden. Meine Heimat, das Ruhrgebiet, liegt bei nicht wenigen Begriffen auf einer Grenze, wobei hier, im Gegensatz zu z.B. der Sprachgrenze zu Bayern oder zu Österreich der Übergang deutlich weicher ist und ich meist beide Begriffe kenne und regelmäßig höre.

Wie komme ich jetzt darauf? Ich habe gerade an der aktuellen Umfrage (Runde 14) teilgenommen, und da wurde endlich die Frage gestellt, wie man das Waffelhörnchen nennt, in das Speiseeiskugeln gepackt werden und das man, wenn man mit dem Eis durch ist, mit aufisst. Im Ruhrgebiet heißt es allgemein „Hörnchen“. Als ich 2015 nach Hamburg gezogen bin, haben mich die Leute in Eisdielen immer fragend angesehen, wenn ich die Kugeln „im Hörnchen“ bestellt habe. Sie wussten dann nie, ob sie mir das Eis im Becher oder in der „Waffel“ geben sollten.

Und dann ist mir aufgefallen, dass ich hier noch nie über dieses Projekt geschrieben habe, deswegen habe ich das jetzt nachgeholt.

Thimbleweed Park 2

Ron Gilbert hat mit der Entwicklung von Thimbleweed Park 2 angefangen. Thimbleweed Park ist vor etwa 9 Jahren erschienen und hat den Geist von Point-and-Click-Adventures aus den frühen 90ern richtig gut reproduziert. Nun soll es einen zweiten Teil geben, und dazu gibt es auch ein Entwickler-Blog. In einem aktuellen Post beschreibt David Fox, wie die Animationen für Thimbleweed Park 2 erstellt werden, welche Tools sie dafür verwenden, etc. Auch als nicht-Spieleentwickler / nicht-Grafiker ist das ganz interessant zu lesen.

Da es um Animationen ging, waren auch ein paar animierte GIF-Datein in dem Blogpost. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, mal zu schauen, wie viel kleiner eine der Dateien als animiertes WebP wäre. Ergebnis: aus einem 16 kiB GIF wird ein 1,8 kiB WebP:

Animierte Pixel-Art. Agent Ray hält eine Polaroidkamera auf Augenhöhe, der Blitz der Kamera ist in Endlosschleife animiert.

Das Bild ist natürlich urheberrechtlich geschützt, insbesondere legt Ron Gilber auch Wert darauf, dass nichts auf dem Dev-Blog zum trainieren von „AI“ verwendet wird. Mir hat er freundlicherweise erlaubt, das Bild hier zu nutzen.

Erlebnis Sonnenfinsternis: Der Komödie zweiter Teil

Siehe auch:

Wie im ersten Teil berichtet, hatten wir den perfekten Ort zum beobachten der Sonnenfinsternis gefunden. Am 12.8.2026, dem Tag der Sonnenfinsternis, war es zum Horizont hin leicht diesig, aber man konnte die Sonne immer noch gut erkennen. Die Sonne schien auch mit voller Gewalt. Laut Wettervorhersage sollte das so bleiben. Sonnencrème war Pflicht.

Die Sonnenfinsternis sollte hier erst um 19:32 beginnen, die Totalitär würde um 20:28 sein. Wir hatten also Zeit. Trotzdem, um alle Risiken zu vermeiden, haben wir uns früh auf den Weg gemacht: Wir nahmen einen Bus, der um 16:02 in Richtung Llampaya fuhr. Unsere Station war erst die zweite Station, also konnten wir die Abfahrtszeit gut abschätzen (Erinnerung: auf den Plänen steht nur die Abfahrtszeit an der ersten Haltestelle der Linie). Irgendwann waren wir dann in Llampaya, wo wir am Tag zuvor vergeblich die Haltestelle gesucht hatten. Ergebnis: Der Bus hält einfach am Ortseingang, wo die Haltestelle bei Openstreetmap verzeichnet ist, es aber keinen einzigen Hinweis auf die Haltestelle gibt, nicht einmal ein kleines Schild.

Gegen 17:00 Uhr waren wir dann oben auf dem Peña Llampaya. Ich war nocht fertig vom Vortag, eine Mitreisende fühlte sich ein bisschen krank, also blieben wir oben auf dem Gipfel, während der Dritte im Bunde noch ein wenig die Gegend erkundete. Ich schaffte es, das einzige Bisschen Schatten in der Gegend zu finden, meine Mitreisende wickelte sich in eine Decke und schlief. Nach und nach kamen mehr Leute auf den Gipfel.

Ich habe hier noch keine Fotos gemacht, aber ein Foto vom Vortag (schon gesehen im ersten Teil) gibt die Lage recht gut wieder, nur ohne die ganzen Leute:

Zwei ausgeschwärzte Personen sitzen auf felsigem, mit vertrocknetem Gras bewachsenen Untergrund. Es ist sonnig, der Himmel ist blau. Im Hintergrund sind rechts grün bewachsene Hügel, links eine Stadt im Tal und eine grüne, leicht ausgetrocknete Landschaft.

Gegen 18:00 Uhr sahen wir dann eine gewaltige Wolkenfront von Osten auf uns zukommen. Ab 18:40 standen wir mitten in den Wolken, bzw. in dichtem Nebel:

Im Vordergrund mehrere Menschen, die auf einem spärlich bewachsenen Untergrund stehen. Es ist neblig, im Hintergrund kann man noch eine Stadt und einen anderen Hügel erkennen. Die Spitze des Hügels ist schon im Nebel verschwunden.

Man konnte Oviedo noch sehen. Nicht die Hoffnung aufgeben! Oder vielleicht doch. Denn gegen 19:12 war der Nebel noch dichter geworden:

Im Vordergrund mehrere Menschen, die auf einem spärlich bewachsenen Untergrund stehen. Es ist dichter Nebel, man kann nicht weit sehen.

Es wurde nicht besser. Es wurde immer schlechter. Anfangs konnte man Oviedo und die benachbarten Hügel noch sehen (siehe erstes Bild). Später dann schon nicht mehr. Als die Sonnenfinsternis begann, konnte man nicht einmal mehr den Umriss der Sonne erkennen. Selbst Llampaya war nur noch schwer warhzunehmen, und das nur, weil der Nebel / die Wolken nach unten hin dünner wurden.

Selbst die Wetter-Websites gestehen mittlerweile ein, dass es stark bewölkt ist. Auf einer Wetterkarte von Asturien sahen wir klar und deutlich: durch halb Asturien zogen sich die Wolken, in einer klaren Ost-West-Ausbreitung, der Süden von Asturien war komplett klar. Auch die Vorhersage für die nächsten zwei Stunden sah nicht besser aus (tatsächlich ist es bis zu unserer Abreise bewölkt geblieben, was eigentlich auch mal ganz angenehm war). Es wurde ein bisschen dunkler, aber ob das an der Sonnenfinsternis oder an den Wolken lag, war unklar.

Auf dem Gipfel hatte sich mittlerweile eine kleine Tanzparty entwickelt. Die Leute dachten sich, wenn sie die Sonnenfinsternis nicht sehen können, können sie ja wenigstens ein bisschen Spaß haben. Wir begaben uns kurz vor der Totalität ein Stückchen den Pfad hinab, um unser Erlebnis der Sonnenfinsternis nicht von den Klängen von Macarena beeinflussen zu lassen. Die Totalität kam dann sehr schnell. Innerhalb von Sekunden, schneller als jede Dämmerung, wurde es stockfinster. Etwas mehr als eine Minute später wurde es ebenso schnell wieder hell. Es war ein interessantes Erlebnis, aber ich hätte die Sonnenfinsternis doch viel lieber bei klarem Himmel erlebt.

An sich hätte ich den Nebel auf dem Hügel auch sehr schön gefunden. Ich mag dichten Nebel, der die Welt so klein macht. Der Rückweg durch den Nebel, dieses Mal wieder nach Ules (weil in Llampaya um die Uhrzeit kein Bus mehr fuhr) war wie durch eine verzauberte Landschaft. Aber hätten diese Wolken nicht zweieinhalb Stunden später aufziehen können? Nur zweieinhalb Stunden? Vorher war es tagelang klar, nur mit einzelnen Schäfchenwolken. Nachher war es tagelang komplett bedeckt. Zweieinhalb Stunden.

Irgendwo lacht ein Wettergott über unsere Hybris, in der wir glaubten, alles perfekt geplant zu haben.

Flugzeug-Kabinendruckmessung mit Phyphox

In einem Flugzeug, besonders beim Start oder der Landung, merkt man ja schon, dass sich der Druck verändert. Ich bin neulich mal wieder geflogen, um eine Sonnenfinsternis zu erleben und war dann neugierig, wie stark diese Druckänderung ist.

Glücklicherweise sind heutige Smartphones meist mit sehr sensiblen Luftdrucksensoren ausgestattet. So sensibel, dass man damit sogar einen Meter Höhenunterschied messen kann. Mein vorheriges Smartphone hatte zum Beispiel einen. Unglücklicherweise hat mein aktuelles Smartphone (Fairphone 3) keinen solchen Sensor. Das alte Smartphone hat 2020 den Dienst aufgegeben. Das letzte Mal vor diesem Sommer saß ich 2019 in einem Flugzeug. 2019 war mir aber noch nicht bewusst, dass es diesen Sensor in dem Phone überhaupt gab.

Diesen Sensor kann man zum Beispiel sehr gut mit Phyphox auslesen. Das ist eine App für Android oder iOS, die an der RWTH Aachen entwickelt wurde um in der Lehre (sowohl an Schulen als auch an der Uni) ein praktisches Messgerät für viele Physikexperimente zu haben. Es eignet sich aber auch sehr gut, privat die Sensoren zu nutzen und deren Ergebnisse z.B. als CSV zu exportieren. Phyphox steht übrigens für „physical phone experiments“ und wird entsprechend ausgesprochen.

Eine Mitreisende von mir hatte aber ein Phone mit Luftdrucksensor. Ich habe sie überzeugen können, Phyphox zu installieren und während des Flugzeugstarts (und davor) den Luftdruck in der Kabine zu messen:

Luftdruck über Zeit. Bis etwa Sekunde 1750 bleibt der Luftdruck halbwegs stabil bei etwa 950 hPa. Dann gibt es einen kurzen Spike, einen starken Abfall, der sich wieder fängt, danach geht es näherungsweise linear runter bis es etwa bei Sekunde 2600 einen Wert von etwas weniger als 800 hPa erreicht, auf dem der Luftdruck dann konstant bleibt.

Der kleine, kaum sichtbare Bump bei etwa 400 s passierte zu dem Zeitpunkt, an dem die Kabine geschlossen wurde. Diese komische S-Kurve bei Sekunde 1750 war wohl der Start. Nach dem Start geht es dann stetig nach unten, bis der Druck bei einem Minimum angekommen ist. Danach haben wir die Daten exportiert und Phyphox ausgeschaltet.

Zwischendurch wurde das Telefon ab und zu angefasst und bewegt, was die Messung minimal verfälscht haben dürfte, auf dieser Skala ist es aber nicht nennenswert. Außerdem wurde die Messung während wir noch standen für etwa eine Minute unterbrochen (eine Angabe, die Phyphox auch liefert). Die Rohdaten haben ich hier, ich habe nur jeden 12. Datenpunkt genommen, um das Diagramm oben zu zeichnen, weil dadurch die SVG-Datei deutlich kleiner bleibt. Das Diagramm ist mit Gnuplot erstellt, mithilfe dieses Scripts.

Die anderen Daten, die Phyphox aufgezeichnet hat (Metadaten über das Telefon und zu welcher Uhrzeit genau die Messung gestartet/gestoppt wurde) habe ich auch, die lade ich aber aus Datenschutzgründen hier nicht hoch. Grundsätzlich wäre ich auch vorsichtig mit Luftdruckdaten, weil man daraus möglicherweise auch ablesen kann, wann ich gestartet bin (abhängig vom Luftdruck in Madrid). Das Risiko gehe ich hier aber ein.

Rollenspielszenen: Geistersuppe

Rollenspielszene. Die Gruppe hat spontan entschieden, eine U-Bahn-Station zu erkunden, in der es spukt. Niemand ist da, viel ist kaputt, aber alle Speisen sind noch frisch. Rocket Mel isst von einer Nudelsuppe und verschwindet. Nettle spricht mit ein paar Kakerlaken. Diese teilen ihr mit, dass an der Station ein Gott haust, der Menschen in die Geisterwelt zieht und dann ihre Seelen frisst. Die Kakerlaken selbst seien zu insignifikant dafür. Sie haben auch von der Suppe gegessen, aber sie sind noch da und sehen die Geisterwelt sowie die echte Welt gleichzeitig.

Nachdem es Jacksnipe, immernoch blind, auch in die Geisterwelt verschlagen hat (ein fehlgeschlagener Versuch von Tea, die Suppe ungefährlicher zu machen), will Tea jetzt systematisch experimentieren und idealerweise auch mit Jacksnipe kommunizieren. Vielleicht…? Tea wirf ein Walky-Talky in die Suppe. Ohne den gewünschten Erfolg:

Das Walky-Talky ist noch da, aber jetzt ist es kaputt.

Erlebnis Sonnenfinsternis: Der Komödie erster Teil

Siehe auch: der Prolog.

Es ist in dieser Geschichte niemand gestorben oder im realen oder übertragenen Sinne tief gefallen, deswegen bezeichne ich diese Geschichte hier als Komödie. Man könnte auch sagen, dass sich irgendwelche Götter über uns lustig machen wollten. Doch fangen wir am Anfang an. Wir sind zu dritt nach Oviedo, einer Stadt in der nordspanischen Region Asturien, gereist. Dort soll die totale Sonnenfinsternis besonders gut zu beobachten sein.

10. August 2026, zwei Tage vor der Sonnenfinsternis

Wir sind für die totale Sonnenfinsternis nach Oviedo gereist. Die Reise hat den ganzen vorherigen Tag gedauert, deswegen haben wir am 10. August einen relativ ruhigen Tag gemacht. Wir haben eingekauft, ein bisschen die Umgebung erkundet. Und uns natürlich überlegt, von wo wir die Sonnenfinsternis beobachten. Die Idee: Wir fragen bei den allgegenwärtigen Touristeninformationsstellen der Stadt nach, beschaffen uns eine Wanderkarte, suchen uns einen guten, idealerweise angehobenen, Platz zum Beobachten der Sonnenfinsternis aus und erkunden dann am nächsten Tag, ob der Platz tatsächlich brauchbar ist.

Während ich das Essen zubereitete, gingen also meine Mitreisenden (darunter die eine Person von uns, die wenigstens ein bisschen Spanisch sprach) zu den Touristeninfos. Ich war schon lange fertig, bevor sie zurückkamen. Keine der Touristeninformationsstellen war besonders hilfreich. Wanderkarten der Umgebung gab es nicht. Es gab halbwegs nützliche Karten der Stadt, aber keine Information dazu, wo man gut die Sonnenfinsternis anschauen könnte.

Wir haben also bisher nur eine vage Idee, wo wir hingehen wollen. Ein Mitreisender und ich haben uns außerdem einen Park in Ovideo angeschaut. Wir waren ungefähr zu der Zeit da, zu der am 12. August die Sonnenfinsternis stattfinden würde, und man konnte die Sonne zu dieser Zeit von dort aus gut sehen. Es würde allerdings vermutlich sehr voll werden. Wir haben dabei noch einen alten Tunnel durch Oviedo entdeckt, der uns schnell zu unserer Unterkunft zurück brachte. Ein bisschen Stress war also von unseren Schultern genommen: Wir hatten einen Fallback für die Beobachtung der Sonnenfinsternis, falls unsere Suche also kein besseres Ergebnis hatte, mussten wir uns zumindest keine Sorgen machen, keinen Ort zu haben.

Wir entschieden uns dann, unter Konsultation diverser Karten (auch topografischer Karten), es mit dem Peña Llampaya zu versuchen, einem 561 m hohem Felsen. Wir würden einfach am nächsten Tag in einer Buchhandlung eine Wanderkarte kaufen, uns über die Buslinien aufklären lassen (die Websites der Stadt und des örtlichen ÖPNV-Unternehmens waren nämlich nur mäßig hilfreich) und dann eine Probewanderung zum Peña Llampaya machen.

11. August 2026, Tag vor der Sonnenfinsternis

Nach einem ordentlichen Frühstück ging es also auf der Suche nach einer Buchhandlung. Glücklicherweise gibt es davon ein paar. Die erste, am nächsten liegende, war allerdings kein Treffer. Sie lag direkt bei der Kathedrale und hatte hauptsächlich religiöse Literatur und christliche Kinkerlitzchen. Zwar auch ein paar Bildbänder über die Stadt, aber keine Wanderkarten.

Die nächste Buchhandlung war auch eine Niete. Sie war zwar recht groß, aber hatte keine Wanderkarten. Glücklicherweise konnte uns eine Buchhändlerin dort einen Tipp geben: Der Buchladen Librerìa Cervantes könnte Karten haben. Auch dort mussten wir eine Weile suchen, aber dann haben wir Wanderkarten im Maßstab 1:25.000 gefunden, die uns sehr hilfreich waren.

ÖPNV in Oviedo und Umgebung, Teil 1

Am Busbahnhof war es schwierig, Auskunft zu bekommen: Der Busbahnhof war nämlich für Fernbusse. Trotzdem konnte uns dort eine Person behilflich sein und uns sagen, wie wir nach Ules kommen. Abgesehen davon waren wir aber auf die Websites des ÖPNV angewiesen. Und die haben uns mehrere Probleme gemacht:

  1. Es gibt keinen Online-Routenplaner, wie er in deutschen Städten schon seit über zwanzig Jahren üblich ist. Man muss sich seine Route, mit Umsteigen, also manuell heraussuchen
  2. Sind die Zeitangaben für den Plan, den man online (oder an den Bushaltestellen) bekommt, nur für die Abfahrtszeiten an den Starthaltestellen. Wenn man also irgendwo mitten drin einsteigen muss, kann man daraus nicht schließen, wann der Bus in etwa an der Haltestelle sein wird.

Die Bushaltestelle, zu der wir uns begeben haben, hatte glücklicherweise eine elektronische Anzeigetafel für die Ankunft der Busse. Dummerweise war der Bus, den wir nehmen wollten (A2), erst in 44 Minuten kommen sollte. Aber hey, wir können ja den Bus nach Les Campes nehmen und von da aus zu Fuß gehen. Wir sind da nur leider eine Station zu weit gefahren, und mussten ein ganzes Stück an der Straße zurück gehen. Hatte ich erwähnt, dass es sehr sonnig und heiß war?

Die Wanderung

Ab Les Campes war es eigentlich eine schöne Wanderung, die aber erst wirklich gut wurde, als wir in Ules ankamen, von wo aus wir uns in die Hügel schlagen wollten. Dort gab es auch noch eine Quelle, bei der wir unsere Trinkflaschen auffüllen konnten sowie ein paar Leute, die uns mit dem Weg weiterhelfen konnten. Von Ules ist es ein Stückchen bis zum Peña Llampaya, von dort aus aber nur ein Katzensprung zum nächsten Dorf, Llampaya, von wo aus wir den Bus zurück nehmen wollten.

Auf dem Weg gibt es zum Beispiel den Eingang einer verlassenen Eisenmine:

Ein mit Balken abgesützter, nicht sehr hoher Eingang zu einer Höhle, von der man nichts sieht weil sie dunkel ist. Drumherum kleine Pflanzen. Über dem Eingang das Schild „MINA FERRICA LA PASSERA“

Irgendwann kamen wir dann auf dem Peña Llampaya an. Es war sonnig, man hatte eine sehr gute Sicht in alle Richtungen. Schatten gab es aber nicht, obwohl wir ein bisschen Abkühlung gebraucht hätten. Immerhin: Der perfekte Ort, um eine Sonnenfinsternis zu beobachten. Es war mittlerweile später Nachmittag, ich habe dieses Foto hier mit dem Rücken zur Sonne gemacht. Das hier ist die Richung mit der schlechtesten Aussicht. Da die Sonnenfinsternis um 20:28 ihre Totalität haben sollte, war die Lage optimal.

Zwei ausgeschwärzte Personen sitzen auf felsigem, mit vertrocknetem Gras bewachsenen Untergrund. Es ist sonnig, der Himmel ist blau. Im Hintergrund sind rechts grün bewachsene Hügel, links eine Stadt im Tal und eine grüne, leicht ausgetrocknete Landschaft.

Ich habe auch mal meine Sonnenfinsternisbrille ausprobiert, und auch geschaut, ob ich mit meiner Smartphonekamera (und Sonnenfinsternisbrille vor der Linse) eine Aufnahme der Sonne machen kann. Antwort: Im Prinzip ja, aber:

Eine weiße Ellipse, die nach außen hin zunächst gelb, dann orange wird bis sie schließlich in den dunklen Hintergrund übergeht. Quer durch den weiße Fleck geht eine Linsenreflektion.

Ich weiß nicht, warum das elliptisch aussieht, aber immerhin hat es überhaupt funktioniert. Wir waren uns jedenfalls sicher: das ist der Ort, um die Sonnenfinsternis zu beobachten.

ÖPNV in Oviedo und Umgebung, Teil 2

Der Weg nach Llampaya war, wie auf der Karte verzeichnet, kurz. Doch in Llampaya war keine Bushaltestelle. So schien es zumindest. Zwar ist auf Openstreetmap eine am Ortseingang eingezeichnet, und auch die öffentliche Karte verzeichnete eine Haltestelle (eher in der Ortsmitte, aber diese Karte war auch ungenau). Das war schlecht, denn unser Plan war, zur Sonnenfinsternis den Bus nach Llampaya zu nehmen (Linie O2, die auch im Plan stand), und auf dem Hinweg den kurzen Weg zum Peña Llampaya zu nehmen. Auf dem Rückweg würden wir dann nach Ules laufen müssen, weil der Bus in Llampaya nicht mehr so spät fährt. Für diesen Tag aber war es eigentlich noch früh genug. Aber wie soll man einen Bus nehmen, wenn man die Bushaltestelle nicht findet?

Wir sind dann notgedrungen zum nächsten Dorf gelaufen. Auch dort war eine Haltestelle verzeichnet, auch dort war keine Haltestelle in Sicht. Nicht einmal ein kleiner Hinweis, dass ein Bus dort halten könnte, von einem großen Schild oder gar einem Wartehäuschen ganz zu schweigen. Also weiter an der Straße entlang nach Ules. Mittlerweile fingen bei mir Kopfschmerzen an, vermutlich wegen der Hitze. In Ules angekommen, konnten wir über das Dorf hinwegsehen, das in einem Tal lag, und sahen auf der anderen Seite unseren Bus abfahren. Ein paar Minuten später, an der Bushaltestelle, bestätigten wir, dass es tatsächlich unser Bus war. Also noch einmal 50 Minuten warten, bis der nächste Bus kam.

Immerhin: Wir hatten einen guten Ort, um am nächsten Tag die Sonnenfinsternis zu beobachten, und einen Plan, wie wir dorthinkamen. Wir wollten rechtzeitig aufbrechen, falls der Bus nach Llampaya doch nicht existierte, aber die Wettervorhersage war gut und wir konnten erwarten, dass unserer Beobachtung der Sonnenfinsternis nichts im Weg stand. What could possibly go wrong?

Was schief gehen kann, erfahrt ihr im zweiten Teil.

Erlebnis Sonnenfinsternis: Prolog

Ich bin zurück aus dem Urlaub! Wir haben, wie eine Reisegefährtin es ausdrückte, „die Sonnenfinsternis erlebt“. Hier ist zum Beispiel ein Bild zu Beginn der teilweisen Verdeckung der Sonnenfinsternis:

Grau, mit einem leichten Gradienten von hellerem Grau oben im Bild zu dunklerem Grau unten.

Und hier ein Bild zehn Minuten vor der Totalität:

Wieder der graue Gradient, dieses Mal ein bisschen dunkler.

Für die Totalität haben wir uns dann ein bisschen zurückgezogen, weil auf der Bergspitze wo wir waren eine spontane Tanzparty ausgebrochen war. Deswegen kann man hier auch ein bisschen Landschaft sehen:

Oben ein stark verrauschtes, minimal hellerer Bildteil, unten in Schwarz die Silhouette einer bewachsenen Landschaft.

Dieser Post hier ist nur ein Teaser. Wie es dazu gekommen ist, dass wir bei dichtestem Nebel auf einem Hügel standen und die Sonnenfinsternis nicht gesehen, aber erlebt haben, könnt ihr nachlesen in:

Wir haben jedenfalls deutlich weniger gesehen, als einige anderen Menschen im Bereich der teilweisen Sonnenfinsternis gesehen haben.

Mein digitaler Garten

Ich bin schon vor ein paar Jahren über den Konzept des digitalen Gartens („digital garden“ auf Englisch) gestoßen. Das Konzept ist nicht komplett klar definiert, aber für mich bedeutet es, eine persönliche Website zu bauen, auf der ich mich ausdrücken und alle möglichen Spielereien ausprobieren kann.

Das steht insofern im Gegensatz zu diesem Blog, als dieses Blog ein Blog ist. Hier gibt es mehr oder weniger regelmäßig Posts, ältere Posts rücken nach unten und irgendwann ins Archiv. Mein digitaler Garten ist ein Ort, der sich zwar weiterentwickelt, aber nicht chronologisch sortiert sein wird.

Mein digitaler Garten ist hier. Bisher ist da nicht viel, ich habe nur einen kleinen Einführungstext geschrieben und ein paar Sachen verlinkt, die ich ohnehin dort liegen hatte. Auch das Layout wird sich noch ändern. Bisher ist es schlicht, aber unpersönlich. Für viele Sachen geeignet, aber nicht für einen digitalen Garten.

Die Weiterentwicklung wird aber ein paar Tage warten müssen. Ich bin ab morgen auf Reise, und mein Laptop kommt nicht mit. Dafür kann ich danach hoffentlich etwas über eine Sonnenfinsternis berichten.

Planetariumswebsitebloat

Ich hatte heute einen sehr schlechten Tag, und als ob alles andere noch nicht schlimm genug war, musste ich auch noch auf die Website des Planetarium Bochum schauen. Mit einem Smartphone.

Die Website ist praktisch unbenutzbar. Zum einen lädt sie Unmengen an Daten herunter. 9,58 MiB heruntergeladene Daten, insgesamt 10,38 MiB unkomprimiert. Alleine die Transportkompression war also größtenteils nicht vorhanden (ich stand zu dem Zeitpunkt mitten in der Pampa des Ruhrgebiets und LTE ist halt auch nicht wahnsinig schnell). Davon 6,7 MiB an Bildern (bei einem Planetarium vrständlich, auch wenn die sich ein bisschen mehr Mühe mit den Bildformaten hätten geben können. Oh, und es hätten nicht alle Bilder auf einmal geladen werden müssen. Vielleicht erst einmal nur die Bilder, die man auch wirklich anzeigen will.

Viel schlimmer wiegen aber die 2,55 MiB an Javascript. Die Seite ist größtenteils informativ. Da hätte eine schlichte Sammlung von HTML-Seiten reichen können. Nein, man muss hier zweieinhalb Mebibyte an Javascript laden um Funktionen nachzubilden, die der Browser schon selber kann. Für eine komplexe Web-App vielleicht verständlich. Das hier ist aber eine einfache Website! Aber dass dieses Javascript geladen werden muss, ist nicht das Schlimmste. Das Schlimmste ist, dass es auch ausgeführt werden muss.

Und ich weiß nicht, was die Entwickler dieser Sache gemacht haben, aber das Javascript ist langsam. Unabhängig von den Ladezeiten langsam. Ein Hamburger-Menü zu öffnen hat auf meinem Smartphone geruckelt. Ein Menü zu öffnen! Das ist etwas, dass Computer seit den 90ern ohne Ruckeln können! Ich weiß nicht, ob die Animation mit JS oder CSS (wovon ebenfalls 800 kiB geladen werden) gemacht wurden, aber ich würde raten, dass es JS war).

Ich lese ja immer, dass man beim Webdesign auch immer auf Menschen mit billigen Geräten, die nur minimale Performance bringen, achten muss. Das geht oft so weit, dass man selbst einige CSS-Konstrukte nur sehr sparsam einsetzen sollte. Und ich halte das auch für richtig. Ich habe es nur noch nie erlebt, dass mein eigenes Gerät mit akzeptabler Leistung Probleme hat, eine eigentlich einfache Website flüssig anzuzeigen. Von der Performance ist diese Website also nicht nur mangelhaft, sondern ungenügend. Schulnote 6.

Andere Punkte sind auch nicht viel besser. Viel zu viel Werbung darüber, was die Sternwarte alles macht auf der Startseite, Anfahrt und Öffnungszeiten sind viel zu schwierig zu finden. Seitenbetreiber von Websites, bei denen es um einen speziellen Ort geht, sei es ein Geschäft, ein Museum oder eben das Planetarium kapieren einfach nicht, dass es das ist, was Besucher oft als erstes wissen wollen, wenn sie die Seite aufrufen. Immerhin waren die Informationen da. Das ist ausreichend, Schulnote 4.

Auf der positiven Seite: Laut dem Cookie-Banner gibt es nur technisch notwendige Cookies und Cookies für interne Datenerfassung „um die Website zu verbessern“. Letztere kann man verweigern. Insbesondere aber keine Werbetrackingcookies und keine Heuchelei, dass ihnen viel an der Privatsphäre liegt und sie diese deswegen mit 793 anderen Parteien teilen wollen. Leider wird noch JS von einer Drittpartei geladen, die potentiell auch Cookies setzen könnte. Trotzdem, im Verhältnis zu vielen Seiten eine gute Bilanz, Schulnote 2.

Insgesamt überwiegt aber der Bloat. Die Seite ist technisch einfach schlecht gemacht und auf weniger neuen Smartphones einfach nicht benutzbar. Wenn man die Seite vereinfacht, dann bieten sich hier drei Punkte, um die Performance zu verbessern:

  • weniger (oder kein) Javascript
  • weniger komplexes CSS (von dem bestehenden CSS wird vermutlich eh nur ein kleiner Teil verwendet)
  • Bilder optimieren, Bilder erst laden, wenn sie benötigt werden, überlegen, ob man auf der Startseite überhaupt so viele und große Bilder braucht