Stranger Than Usual

Planetariumswebsitebload

Ich hatte heute einen sehr schlechten Tag, und als ob alles andere noch nicht schlimm genug war, musste ich auch noch auf die Website des Planetarium Bochum schauen. Mit einem Smartphone.

Die Website ist praktisch unbenutzbar. Zum einen lädt sie Unmengen an Daten herunter. 9,58 MiB heruntergeladene Daten, insgesamt 10,38 MiB unkomprimiert. Alleine die Transportkompression war also größtenteils nicht vorhanden (ich stand zu dem Zeitpunkt mitten in der Pampa des Ruhrgebiets und LTE ist halt auch nicht wahnsinig schnell). Davon 6,7 MiB an Bildern (bei einem Planetarium vrständlich, auch wenn die sich ein bisschen mehr Mühe mit den Bildformaten hätten geben können. Oh, und es hätten nicht alle Bilder auf einmal geladen werden müssen. Vielleicht erst einmal nur die Bilder, die man auch wirklich anzeigen will.

Viel schlimmer wiegen aber die 2,55 MiB an Javascript. Die Seite ist größtenteils informativ. Da hätte eine schlichte Sammlung von HTML-Seiten reichen können. Nein, man muss hier zweieinhalb Mebibyte an Javascript laden um Funktionen nachzubilden, die der Browser schon selber kann. Für eine komplexe Web-App vielleicht verständlich. Das hier ist aber eine einfache Website! Aber dass dieses Javascript geladen werden muss, ist nicht das Schlimmste. Das Schlimmste ist, dass es auch ausgeführt werden muss.

Und ich weiß nicht, was die Entwickler dieser Sache gemacht haben, aber das Javascript ist langsam. Unabhängig von den Ladezeiten langsam. Ein Hamburger-Menü zu öffnen hat auf meinem Smartphone geruckelt. Ein Menü zu öffnen! Das ist etwas, dass Computer seit den 90ern ohne Ruckeln können! Ich weiß nicht, ob die Animation mit JS oder CSS (wovon ebenfalls 800 kiB geladen werden) gemacht wurden, aber ich würde raten, dass es JS war).

Ich lese ja immer, dass man beim Webdesign auch immer auf Menschen mit billigen Geräten, die nur minimale Performance bringen, achten muss. Das geht oft so weit, dass man selbst einige CSS-Konstrukte nur sehr sparsam einsetzen sollte. Und ich halte das auch für richtig. Ich habe es nur noch nie erlebt, dass mein eigenes Gerät mit akzeptabler Leistung Probleme hat, eine eigentlich einfache Website flüssig anzuzeigen. Von der Performance ist diese Website also nicht nur mangelhaft, sondern ungenügend. Schulnote 6.

Andere Punkte sind auch nicht viel besser. Viel zu viel Werbung darüber, was die Sternwarte alles macht auf der Startseite, Anfahrt und Öffnungszeiten sind viel zu schwierig zu finden. Seitenbetreiber von Websites, bei denen es um einen speziellen Ort geht, sei es ein Geschäft, ein Museum oder eben das Planetarium kapieren einfach nicht, dass es das ist, was Besucher oft als erstes wissen wollen, wenn sie die Seite aufrufen. Immerhin waren die Informationen da. Das ist ausreichend, Schulnote 4.

Auf der positiven Seite: Laut dem Cookie-Banner gibt es nur technisch notwendige Cookies und Cookies für interne Datenerfassung „um die Website zu verbessern“. Letztere kann man verweigern. Insbesondere aber keine Werbetrackingcookies und keine Heuchelei, dass ihnen viel an der Privatsphäre liegt und sie diese deswegen mit 793 anderen Parteien teilen wollen. Leider wird noch JS von einer Drittpartei geladen, die potentiell auch Cookies setzen könnte. Trotzdem, im Verhältnis zu vielen Seiten eine gute Bilanz, Schulnote 2.

Insgesamt überwiegt aber der Bloat. Die Seite ist technisch einfach schlecht gemacht und auf weniger neuen Smartphones einfach nicht benutzbar. Wenn man die Seite vereinfacht, dann bieten sich hier drei Punkte, um die Performance zu verbessern:

  • weniger (oder kein) Javascript
  • weniger komplexes CSS (von dem bestehenden CSS wird vermutlich eh nur ein kleiner Teil verwendet)
  • Bilder optimieren, Bilder erst laden, wenn sie benötigt werden, überlegen, ob man auf der Startseite überhaupt so viele und große Bilder braucht