Stranger Than Usual

Don't be negligent

Im Jahr 2009 war Google auch schon riesig. Mit vielen fragwürdigen Geschäftspraktiken, Datensammelwut, etc. Dennoch habe ich damals noch in einem Blogpost geschrieben:

Ich weiß bei Google ja nie so recht, wie ich mich fühlen soll.

Einerseits ist es ein großer Konzern, der im Netz eine große Macht hat, und immer wieder auffällt, wenn es um Sammlung von Nutzerverhalten geht. Andererseits spendet Google aber auch einiges an freie Softwareprojekte, und entwickelt selbst u.a. mehr oder weniger freie Software (z.B. Chrome).

Mittlerweile ist meine Meinung da nicht mehr so balanciert. Klar, Google macht immernoch ein paar gute Sachen, aber den Grundsatz „Don't be evil“ schon vor Jahren aus ihrem Verhaltenscodex gestrichen. Mittlerweile kümmert sich Google auch weniger um die Qualität der eigenen Suchergebnisse. Dazu habe ich heute einen Artikel von Cory Doctorow gelesen. Er vergleicht Google mit einem abwesenden Vermieter, den der Zustand der Mietshäuser nicht kümmert. Konkret geht es u.a. um Scam-Seiten, die Seiten von Geschäften oder Events nachahmen, sich dann Werbeanzeigen bei Google kaufen und über der offiziellen Seite des entsprechenden Geschäfts oder des Events angezeigt werden, wo sie dann die Waren oder Tickets des eigentlichen Anbieters teurer verkaufen.

Diese Wucher könne Google ohne riesigen Aufwand verhindern, schreibt Doctorow, weil Google ohnehin schon eine Liste verifizierter Gewerbe hat. Aber Google macht es halt nicht. Wenn man Google hier keine böse Absicht unterstellen will, so kann man Google auf jeden Fall Fahrlässigkeit vorwerfen.

Und Google kommt damit durch, weil sie halt im Internet extrem mächtig sind. Ich versuche selber, Google-Services so wenig wie möglich zu verwenden. Aber spätestens bei Youtube-Videos ist halt Schluss. Die gibt es i.d.R. nirgendwo sonst. Und das ist nur der private Teil. Bruflich ist mein Chef leider ein sehr großer Google-Fan, und auch alle unsere beruflichen Accounts laufen über Google. E-Mail, Kalender, Chat, Single-Sign-On für nicht-Google-Dienste. Und davon werden wir auch nicht wegkommen, denn jetzt zu wechseln würde ein immenses Chaos und immense Kosten verursachen. Das ist auch die Macht von Google.

PS: Den Job aufgeben möchte ich auch nicht. Erstens ist er gut bezahlt, zweitens wird der Jobmarkt gerade von Softwareingenieuren überschwemmt, die von Firmen rausgeworfen wurden, die glauben, LLMs könnten einen Softwareentwickler ersetzen und drittens komme ich mit den Kollegen sehr gut klar und weiß, dass das nicht in jeder Firma so gut läuft.