Stranger Than Usual

Erlebnis Sonnenfinsternis: Der Komödie erster Teil

Siehe auch: der Prolog.

Es ist in dieser Geschichte niemand gestorben oder im realen oder übertragenen Sinne tief gefallen, deswegen bezeichne ich diese Geschichte hier als Komödie. Man könnte auch sagen, dass sich irgendwelche Götter über uns lustig machen wollten. Doch fangen wir am Anfang an. Wir sind zu dritt nach Oviedo, einer Stadt in der nordspanischen Region Asturien, gereist. Dort soll die totale Sonnenfinsternis besonders gut zu beobachten sein.

10. August 2026, zwei Tage vor der Sonnenfinsternis

Wir sind für die totale Sonnenfinsternis nach Oviedo gereist. Die Reise hat den ganzen vorherigen Tag gedauert, deswegen haben wir am 10. August einen relativ ruhigen Tag gemacht. Wir haben eingekauft, ein bisschen die Umgebung erkundet. Und uns natürlich überlegt, von wo wir die Sonnenfinsternis beobachten. Die Idee: Wir fragen bei den allgegenwärtigen Touristeninformationsstellen der Stadt nach, beschaffen uns eine Wanderkarte, suchen uns einen guten, idealerweise angehobenen, Platz zum Beobachten der Sonnenfinsternis aus und erkunden dann am nächsten Tag, ob der Platz tatsächlich brauchbar ist.

Während ich das Essen zubereitete, gingen also meine Mitreisenden (darunter die eine Person von uns, die wenigstens ein bisschen Spanisch sprach) zu den Touristeninfos. Ich war schon lange fertig, bevor sie zurückkamen. Keine der Touristeninformationsstellen war besonders hilfreich. Wanderkarten der Umgebung gab es nicht. Es gab halbwegs nützliche Karten der Stadt, aber keine Information dazu, wo man gut die Sonnenfinsternis anschauen könnte.

Wir haben also bisher nur eine vage Idee, wo wir hingehen wollen. Ein Mitreisender und ich haben uns außerdem einen Park in Ovideo angeschaut. Wir waren ungefähr zu der Zeit da, zu der am 12. August die Sonnenfinsternis stattfinden würde, und man konnte die Sonne zu dieser Zeit von dort aus gut sehen. Es würde allerdings vermutlich sehr voll werden. Wir haben dabei noch einen alten Tunnel durch Oviedo entdeckt, der uns schnell zu unserer Unterkunft zurück brachte. Ein bisschen Stress war also von unseren Schultern genommen: Wir hatten einen Fallback für die Beobachtung der Sonnenfinsternis, falls unsere Suche also kein besseres Ergebnis hatte, mussten wir uns zumindest keine Sorgen machen, keinen Ort zu haben.

Wir entschieden uns dann, unter Konsultation diverser Karten (auch topografischer Karten), es mit dem Peña Llampaya zu versuchen, einem 561 m hohem Felsen. Wir würden einfach am nächsten Tag in einer Buchhandlung eine Wanderkarte kaufen, uns über die Buslinien aufklären lassen (die Websites der Stadt und des örtlichen ÖPNV-Unternehmens waren nämlich nur mäßig hilfreich) und dann eine Probewanderung zum Peña Llampaya machen.

11. August 2026, Tag vor der Sonnenfinsternis

Nach einem ordentlichen Frühstück ging es also auf der Suche nach einer Buchhandlung. Glücklicherweise gibt es davon ein paar. Die erste, am nächsten liegende, war allerdings kein Treffer. Sie lag direkt bei der Kathedrale und hatte hauptsächlich religiöse Literatur und christliche Kinkerlitzchen. Zwar auch ein paar Bildbänder über die Stadt, aber keine Wanderkarten.

Die nächste Buchhandlung war auch eine Niete. Sie war zwar recht groß, aber hatte keine Wanderkarten. Glücklicherweise konnte uns eine Buchhändlerin dort einen Tipp geben: Der Buchladen Librerìa Cervantes könnte Karten haben. Auch dort mussten wir eine Weile suchen, aber dann haben wir Wanderkarten im Maßstab 1:25.000 gefunden, die uns sehr hilfreich waren.

ÖPNV in Oviedo und Umgebung, Teil 1

Am Busbahnhof war es schwierig, Auskunft zu bekommen: Der Busbahnhof war nämlich für Fernbusse. Trotzdem konnte uns dort eine Person behilflich sein und uns sagen, wie wir nach Ules kommen. Abgesehen davon waren wir aber auf die Websites des ÖPNV angewiesen. Und die haben uns mehrere Probleme gemacht:

  1. Es gibt keinen Online-Routenplaner, wie er in deutschen Städten schon seit über zwanzig Jahren üblich ist. Man muss sich seine Route, mit Umsteigen, also manuell heraussuchen
  2. Sind die Zeitangaben für den Plan, den man online (oder an den Bushaltestellen) bekommt, nur für die Abfahrtszeiten an den Starthaltestellen. Wenn man also irgendwo mitten drin einsteigen muss, kann man daraus nicht schließen, wann der Bus in etwa an der Haltestelle sein wird.

Die Bushaltestelle, zu der wir uns begeben haben, hatte glücklicherweise eine elektronische Anzeigetafel für die Ankunft der Busse. Dummerweise war der Bus, den wir nehmen wollten (A2), erst in 44 Minuten kommen sollte. Aber hey, wir können ja den Bus nach Les Campes nehmen und von da aus zu Fuß gehen. Wir sind da nur leider eine Station zu weit gefahren, und mussten ein ganzes Stück an der Straße zurück gehen. Hatte ich erwähnt, dass es sehr sonnig und heiß war?

Die Wanderung

Ab Les Campes war es eigentlich eine schöne Wanderung, die aber erst wirklich gut wurde, als wir in Ules ankamen, von wo aus wir uns in die Hügel schlagen wollten. Dort gab es auch noch eine Quelle, bei der wir unsere Trinkflaschen auffüllen konnten sowie ein paar Leute, die uns mit dem Weg weiterhelfen konnten. Von Ules ist es ein Stückchen bis zum Peña Llampaya, von dort aus aber nur ein Katzensprung zum nächsten Dorf, Llampaya, von wo aus wir den Bus zurück nehmen wollten.

Auf dem Weg gibt es zum Beispiel den Eingang einer verlassenen Eisenmine:

Ein mit Balken abgesützter, nicht sehr hoher Eingang zu einer Höhle, von der man nichts sieht weil sie dunkel ist. Drumherum kleine Pflanzen. Über dem Eingang das Schild „MINA FERRICA LA PASSERA“

Irgendwann kamen wir dann auf dem Peña Llampaya an. Es war sonnig, man hatte eine sehr gute Sicht in alle Richtungen. Schatten gab es aber nicht, obwohl wir ein bisschen Abkühlung gebraucht hätten. Immerhin: Der perfekte Ort, um eine Sonnenfinsternis zu beobachten. Es war mittlerweile später Nachmittag, ich habe dieses Foto hier mit dem Rücken zur Sonne gemacht. Das hier ist die Richung mit der schlechtesten Aussicht. Da die Sonnenfinsternis um 20:28 ihre Totalität haben sollte, war die Lage optimal.

Zwei ausgeschwärzte Personen sitzen auf felsigem, mit vertrocknetem Gras bewachsenen Untergrund. Es ist sonnig, der Himmel ist blau. Im Hintergrund sind rechts grün bewachsene Hügel, links eine Stadt im Tal und eine grüne, leicht ausgetrocknete Landschaft.

Ich habe auch mal meine Sonnenfinsternisbrille ausprobiert, und auch geschaut, ob ich mit meiner Smartphonekamera (und Sonnenfinsternisbrille vor der Linse) eine Aufnahme der Sonne machen kann. Antwort: Im Prinzip ja, aber:

Eine weiße Ellipse, die nach außen hin zunächst gelb, dann orange wird bis sie schließlich in den dunklen Hintergrund übergeht. Quer durch den weiße Fleck geht eine Linsenreflektion.

Ich weiß nicht, warum das elliptisch aussieht, aber immerhin hat es überhaupt funktioniert. Wir waren uns jedenfalls sicher: das ist der Ort, um die Sonnenfinsternis zu beobachten.

ÖPNV in Oviedo und Umgebung, Teil 2

Der Weg nach Llampaya war, wie auf der Karte verzeichnet, kurz. Doch in Llampaya war keine Bushaltestelle. So schien es zumindest. Zwar ist auf Openstreetmap eine am Ortseingang eingezeichnet, und auch die öffentliche Karte verzeichnete eine Haltestelle (eher in der Ortsmitte, aber diese Karte war auch ungenau). Das war schlecht, denn unser Plan war, zur Sonnenfinsternis den Bus nach Llampaya zu nehmen (Linie O2, die auch im Plan stand), und auf dem Hinweg den kurzen Weg zum Peña Llampaya zu nehmen. Auf dem Rückweg würden wir dann nach Ules laufen müssen, weil der Bus in Llampaya nicht mehr so spät fährt. Für diesen Tag aber war es eigentlich noch früh genug. Aber wie soll man einen Bus nehmen, wenn man die Bushaltestelle nicht findet?

Wir sind dann notgedrungen zum nächsten Dorf gelaufen. Auch dort war eine Haltestelle verzeichnet, auch dort war keine Haltestelle in Sicht. Nicht einmal ein kleiner Hinweis, dass ein Bus dort halten könnte, von einem großen Schild oder gar einem Wartehäuschen ganz zu schweigen. Also weiter an der Straße entlang nach Ules. Mittlerweile fingen bei mir Kopfschmerzen an, vermutlich wegen der Hitze. In Ules angekommen, konnten wir über das Dorf hinwegsehen, das in einem Tal lag, und sahen auf der anderen Seite unseren Bus abfahren. Ein paar Minuten später, an der Bushaltestelle, bestätigten wir, dass es tatsächlich unser Bus war. Also noch einmal 50 Minuten warten, bis der nächste Bus kam.

Immerhin: Wir hatten einen guten Ort, um am nächsten Tag die Sonnenfinsternis zu beobachten, und einen Plan, wie wir dorthinkamen. Wir wollten rechtzeitig aufbrechen, falls der Bus nach Llampaya doch nicht existierte, aber die Wettervorhersage war gut und wir konnten erwarten, dass unserer Beobachtung der Sonnenfinsternis nichts im Weg stand. What could possibly go wrong?