Stranger Than Usual

Frühlingsgerüche

Ich wurde mal gefragt, auf welchen Sinn (von sehen, hören, schmecken, fühlen und riechen, ich weiß, dass es mehr Sinne gibt) ich am wenigsten verzichten wollen würde. Die meisten in der Runde wählten das Sehen oder das Hören. Ich wählte das Riechen. Einige der Anderen waren zunächst etwas erstaunt, also erklärte ich es:

Riechen bestimmt einen hohen Teil meiner Lebensfreude. Mit Gerüchen verbinde ich noch mehr Emotionen als mit Musik. Das können natürlich Gerüche von leckerem Essen sein. Aber zum Beispiel der Geruch von einer einfachen Dosensuppe, hinterlegt mit den typischen Gerüchen eines Campingplatzes im Frühling? Wunderbar.

Ob es der charakteristische Geruch einer geliebten Urlaubsgegend (Südfrankreich, die Gegend um die Ardèche) ist, der Charakteristische Geruch der Ruhr (der eigentlich eher schlammig riecht, ich verbinde damit aber viele Erinnerungen), der Geruch von leicht feuchtem Laub im Herbst, der Petrichor bei Regen nach heißen Sommertagen, der typische Geruch der Natur ein einem heißen, schwülen Sommertag oder die blühenden Bäume und Büsche im Frühling… Ohne all das wäre mein Leben deutlich ärmer.

Deswegen mag ich auch den Winter so ungern. Denn im Winter rieche ich hauptsächlich Abgase. Von Autos, von Heizungen, von Holzöfen. Die Autoabgase sind im Sommer zwar auch da, aber wenn die gerade nicht da sind, gibt es gute Gerüche. Die gibt es im Winter nicht. Außerdem habe ich im Winter häufiger die Nase zu.

Tabakqualm ist für mich noch schlimmer als die meisten anderen Qualmsorten. Parfums müssen dezent sein, der oft übermäßige Gebrauch von Deosprays ist mir ein Gräuel. Seife und Shampoos sollten möglichst wenig riechen (ich nehme jetzt die Allergikershampoos. Nicht weil ich Allergiker bin, aber weil dort keine Parfums drin sind). Warum zur Hölle muss das alles parfümiert sein? Der Geruch von Sonnencrème ist auch nervig, besonders, wenn er andere, angenehme Gerüche überdeckt (wobei ein bisschen Sonnencrèmegeruch durchaus auch Sommergefühle bei mir auslöst).

Zum Thema Gerüche überdecken: Man kann Gestank nicht mit mehr Geruch überdecken. Wenn man versucht, seinen Schweißgeruch mit Unmengen Deo zu überdecken (Deo hilft, wenn man es vor der Geruchsbildung aufträgt), stinkt man nach Schweiß und Deo (und glaubt mir, ich finde das Deo schlimmer). Man kann Zigarettenqualm (oder den Gestank, der sich nach regelmäßige Rauchen festsetzt) nicht durch Duftbäumchen, Parfums oder Duftkerzen loswerden.

Und Gerüche ziehen teilweise weit. Was Raucher nicht verstehen: Wenn sie an einer offenen Tür rauchen, zieht der Rauch oft nach innen. Und zwar gerne durch das Ganze Gebäude, wenn er nicht durch Türen aufgehalten wird. Je nach Wind- und Wetterlage reicht es auch nicht, 20 Meter entfernt von der Tür zu rauchen. Der Rauch zieht trotzdem in das Gebäude. Und ich rieche das. Ich rieche das wirklich. Und nur weil bei den Rauchern die Geruchszellen in der Nase schon so weit abgestorben sind, dass sie das nicht mehr riechen können heißt das nicht, dass ich den Rauch nicht rieche.

Ein Frühlingsspaziergang

Nun sind mir gestern Abend und heute Morgen schon die Frühlingsgerüche, inbesondere die von blühenden Straüchern und Bäumen, aufgefallen. Entschuldigung an alle, die dagegen allergisch sind und für die das die Hölle ist, aber für mich ist das der Himmel. Ich habe heute einen langen Spaziergang im Grünen gemacht und die Gerüche genossen.

Ein unbefestigter Weg, der nach links abbiegt. Links und rechts sind im Vordergrund Büsche, dahinter Bäume. Im Hintergrund sind mehr Bäume in verschiedenen Frühlingsfarben (hellgrün, rot, weißlich), zwischen denen Teile von Häusern erkennbar sind. Die Pflanzen, insbesondere die Bäume, stehen noch nicht in vollem Laub. Der Himmel ist bewölkt.

Das Wetter war großartig, auch wenn es auf dem Foto eher düster aussieht (es hat später ein bisschen getröpfelt). Aber die Geruchskomposition war erstklassig. Ich habe noch nicht herausgefunden, welche Pflanze diesen Honiggeruch verbreitet, aber ich habe ihn genossen.

Wenn ihr also keine Allergiker seid: Geht mal raus, in den Park oder einen nahegelegenen Wald, oder zu Feldern und Wiesen. Spaziert durch die Gegend, schnüffelt ein bisschen herum, und schaltet die eventuell laufende Musik oder den Podcast mal ab und konzentriert auch ganz auf die Gerüche.

Vermutlich hat das nicht auf alle Menschen einen ähnlich starken Effekt wie auf mich, aber es ist trotzdem einen Versuch wert.