Stranger Than Usual

Goodbye Search Console

Dieses Blog ist ja ein reines Hobbyprojekt. Der Kreis der Leser_innen dieses Blogs vermutlich sehr klein. Ich habe nie versucht, Geld damit zu verdienen. Trotzdem streichelt es meine Eitelkeit ein wenig, wenn ich mitbekomme, dass jemand mein Blog liest. Das war einer der Hauptgründe, warum ich irgendwann (vermutlich Ende 2020 / Anfang 2021 angefangen habe, Google Search Console zu verwenden um zu schauen, welche Seiten meines Blogs indziert sind (d.h. welche man theoretisch über Google finden kann) und welche meiner Blogposts tatsächlich von anderen über Google gefunden werden.

Besonders ersteres war immer interessant, denn mein Blog hat keine eigene Suchfunktion. Nur leider hat Google nie alle meine Seiten indiziert. Und Google ist sehr intransparent darüber, warum etwas nicht indiziert wird. Das machen sie, weil sie nicht wollen, dass SEO-Leute (Search Engine Optimization) Lücken im System nutzen um ihre Websites besser heraus zu bringen. Google will (oder wollte, ob das immer noch so ist, ist eine Frage, die ich hier nicht diskutieren will) Seiten anzeigen, die den Suchenden nützen, nicht den Gesuchten.

Wenn ich versucht habe, von Drittparteien Informationen zu bekommen, bin ich meist auf Seiten gelandet, die einen sehr starken Fokus aufs Geschäftliche haben und ein Blog meist nur als Produkt betrachten, das es zu vermarkten gilt. Das will ich aber nicht. Ich will nicht den Markt entscheiden lassen, über welche Dinge ich schreiben muss. Ich schreibe, was ich will, und das ist ein bunter Themenmix. Die andere Hauptkategorie, wie Google wohl Seiten bewertet ist, die Links auf eine Seite zu zählen. Die Idee: Je mehr Links, desto relevanter ist die Seite. Auch hier habe ich nicht viel vorzuweisen.

Also dümpelte meine Seitenindizierung so vor sich hin, und es war immer ein bisschen wie ein süchtig machendes Glücksspiel: Das nächste Mal, wenn ich mich einlogge, ist die Anzahl der Seiten vielleicht höher! Wenn ja: Endorphine. Wenn nein: Neues Spiel, neues Glück, ich schaue nächste Woche wieder vorbei. Ob das so gut für meine mentale Gesundheit ist? Vermutlich nicht.

Vor etwa einem Jahr ist dann die Indizierung stark zusammengebrochen, hat sich aber nach und nach erholt und schwankte stark. Vor etwa einem Monat ist sie aber extrem eingebrochen und von über 400 indizierten Seiten über wenige Wochen auf 0 (Null. Keine einzige) Seite runtergegangen. Warum? Keine Ahnung. Herausfinden kann ich es nicht. Ich weiß nur, dass selbst die (auf Google) erfolgreichsten Posts (nämlich der über aircrack-ng auf einem Raspberry Pi 5, der über Stempel aus Photopolymer und der über den Datenelch auf dem 36C3 auch alle deindiziert waren.

Was tun?

Zunächst einmal hat mich das ein bisschen geärgert. Dann habe ich es aber als Chance begriffen: Warum soll ich mich überhaupt darum kümmern, was Google mit meiner Seite macht? Ich habe viele Argumente dagegen

  • Ich nutze Google als Suchmaschine selbst nur noch in Notfällen, fast imemr nutze ich DuckDuckGo.
  • Google (oder eher: Alphabet, der Mutterkonzern) hat es nie groß mit dem Datenschutz gehabt. Scheiß auf Google!
  • Nachzusehen, wie die Indizierungsstatistiken sind, glich bei mir eher dem zwanghaften Verhalten eines Spielsüchtigen. Nein danke.
  • Um Google gegenüber sicherzustellen, dass die Domain tatsächlich mir gehört, musste ich in einen TXT-Eintrag (google-site-verification=[…]) in die DNS-Daten eintragen. Jeder konnte also sehen, dass ich Googles Bitch war.

Also habe ich jetzt die DNS-Einträge gelöscht und gehe auf harten Entzug. Auf DuckDuckGo ist mein Blog übrigens noch gut indiziert und neue Posts werden auch schnell hinzugefügt. Außerdem habe ich mich auf ein paar Bloglisten eintragen lassen, zum Beispiel auf Read Great Blogs. Dort werden dann über mein Atom-Feed auch aktuelle Blogposts gelistet.

Ich würde mich natürlich trotzdem immer freuen, wenn jemand mein Blog verlinkt, auch wenn ich davon wahrscheinlich so ohne Weiteres nichts mitkriegen würde. Umgekehrt habe ich dieses Jahr ja selber das Bloglinkprojekt laufen, in dessen Rahmen ich jede Woche auf einen Post eines (hoffentlich jedes Mal anderen Blogs) verlinke. Es gibt eine Menge WWW außerhalb der großen Plattformen. Es ist Zeit, das Netz zurückzuerobern!