Stranger Than Usual

Kann die AI-Blase bitte endlich platzen?

Es ist jetzt etwas über ein Jahr her, seit ich eine Zusammenstellung meiner Gedanken über LLM und Bildgeneratoren gepostet habe. Seitdem hat sich viel getan. Modelle haben sich verbessert, RAM-Preise wurden in die Höhe getrieben weil OpenAI angekündigt hat, alles aufzukaufen, nur um es dann doch nicht zu run. Redner, die bei Absolventen über „AI“ predigen werden ausgebuht. Die Preise für Modell-Abos steigen. Firmen verpulvern ihr ganzes LLM-Budget in den ersten paar Monaten des Jahres. Wieder einmal wurde bewiesen, dass trotz des Hypes „AI“-Agenten eine schlechte Idee sind. In den letzten Wochen insbesondere sind mir wieder einige spezielle interessante Dinge untergekommen:

LLM-Einsatz bei mir auf der Arbeit

Aber warum dränge ich jetzt darauf, dass die AI-Blase jetzt bald mal platzen sollte? Nun, das hat persönliche Gründe. Mein Arbeitgeber hat sich bisher zurückgehalten, was LLMs zum Programmieren angeht. Insbesondere auch, weil der Code von Kunden nur bei Systemen landen sollte, auf denen der Kunde ihn erlaubt. Und weil Agenten, denen man Zugriff auf sein System gibt, auch geheime Daten _wie zum Beispiel kryptographische Schlüssel auslesen können.

Heute jedoch gab es eine große Ankündigung: Wir sollen jetzt groß Experimente mit LLM-Codegenerierung machen (eine „AI code factory“ oder so ähnlich aufbauen). Hier ging es nur um die Codeerzeugung, Planung, Konzeption, Gespräche mit dem Kunden soll immer noch von Menschen gemacht werden. Mein Chef hat u.a. die Sorge, dass wenn wir nichts mit „AI“ machen, es die Konkurrenz macht, und wir dann mit kaputten „AI“-Prozessen beim Kunden arbeiten müssen. Teilweise seihen sogar schon McKenzie-Consultants gesichtet worden. Bevor die beim Kunden Unheil anrichten, sollen wir es lieber selber tun.

Insbesondere hat er uns dazu aufgefordert, Experimente zu machen. Natürlich nicht mit Kundencode. Sind ja Experimente. Sondern mit unseren Privatprojekten. Die Firma wird uns aber nicht die Kosten für den LLM-Codeassistenten erstatten. Sind ja unsere Privatprojekte. Natürlich müssen wir das nicht machen. Aber wir hätten es schon längst machen sollen. Oder so.

Noch einmal kurz als Stichpunkte:

  • wir sollen Experimente mit LLM-Codegeneratoren an unseren Privatprojekten machen
  • wir müssen es natürlich nicht machen, aber wenn wir es nicht machen, dann enttäuschen wir die Firma
  • wir kriegen nicht einmal die Kosten dafür ersetzt

Ich werde kein LLM in die Nähe meiner Privatprojekte lassen. Ich entwickle die zur Erholung. Da kommt keine umweltzerstörende Technologie dran, die mir auch noch den Teil davon wegnimmt, den ich am liebsten habe. Und das mit dem „das musst du nicht machen, aber eigentlich doch“ habe ich schon einmal gehabt. Bei meiner Einstellung wurde extra betont, dass ich zwar auf meinem Handy Software für die Arbeit installieren darf (dann muss ich da aber auch Spyware installieren), aber nicht muss. Zwei Monate später stellt unser Kunde die 2-Faktor-Authentifizierung so um, dass ich eine Android-App brauche, die ich mir auf meinem Phone aber mangels PlayStore nicht installieren konnte. Ich muss diese App aber installieren, sonst kann ich mich beim Kunden nicht mehr einloggen. Die Firma will mir kein Phone dafür bereitstellen. Das war während meiner Probezeit, also habe ich am Ende in den sauren Apfel gebissen und mir ein gebrauchtes Phone gekauft. Obwohl es mein Recht gewesen wäre, dass die Firma mir es stellt.

Nein, ich werde keinem weltzerstörenden „AI“-Unternehmen Geld in den Rachen werfen. Ich werde mich nicht von dieser Technologie abhängig machen. Ich mache mir aber Sorgen über meine Zukunft in der Firma, wenn ich diese Ansicht zu offen vertrete. Deswegen brauche ich den Kollaps der AI-Blase jetzt bitte schnell, am Besten bis zum Ende des Monats.