2026 ist schon wieder zu einem Drittel um. Und was für ein Jahr war es bisher. Weltpolitisch ein Scheißjahr, womit es ich gut in die Reihe der vorherigen Jahre einreiht. Ich möchte hier noch einmal die Aufmerksamkeit auf das enfant terrible, Donald Trump, lenken. Nicht, weil der nicht genug Aufmerksamkeit bekommt (die kriegt er, mehr als genug), sondern weil er es immer wieder schafft, dass wir seinen bisherigen Bullshit aus den Augen verlieren, weil er woanders einen neuen Haufen hingesetzt hat.
Akt 1: Venezuela
Wie fing das Jahr an? Donald Trump ist in ein fremdes Land einmarschiert, hat den Präsidenten / Diktator von Venezuela Nicolás Maduro entführt und sich hingestellt und behauptet, dass das Öl in Venezuelas Boden den USA gehört und er vollen Zugriff darauf haben möchte.
Ich habe jetzt kein besoneres Mitleid mit Maduro, aber dieser Angriff war nach meinem Verständnis definitiv völkerrechtswidrig. Und die Ausbeutung des Venezuelanischen Öls ist auch nicht so einfach, wie sich Trump das vorstellt.
Oh, und eine anonyme Person hat 400000 $ damit gemacht, auf die Entführung Maduros zu wetten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Akt 1 Grönland (zweiter Handlungsstrang)
Parallel dazu hat Donald Trump erneut seinen Bullshit mit Grönland wieder angefacht. Obwohl die USA bereits militärische Basen auf Grönland haben und sogar nocht mehr bauen dürften, behauptet er, die Sicherheit der USA hingen davon ab. Er droht praktisch mit einem Angriff auf Grönland (offiziell Teil von Dänemark), was einen Angriff auf seine eigenen Nato-Verbündeten bedeuten würde. Grönland und Dänemark waren not amused. Wie das der Sicherheit der USA nutzen soll, ist unklar.
-Möglicherweise ging es auch hier wieder um Rohstoffe: Wenn Trump den Klimawandel weiter so aggressiv vorantreibt, sind Grönlands Rohstoffvorkommen bald viel besser zu erschließen.
Am Ende haben mehrere anderen Nato-Staaten (u.a. auch Deutschland) kleinere Gruppen ihrer Armeen nach Grönland gesandt, vermutlich hauptsächlich um den Amis zu demonstrieren: Wenn ihr Grönland angreift, greift ihr uns alle an.
Akt 2: Minnesota
Noch während sich die Sache mit Grönland hinzieht, belagert Trumps SA (auch bekannt als ICE) die Stadt Minneapolis. Friedliche Demonstranten werden getötet, Menschen werden entführt, Kinder werden als Geiseln genommen, um ihre Eltern hervorzulocken. Am Ende lässt Trumps Regime die Leute abziehen, ohne allerdings irgendein Fehlverhalten einzugestehen
Akt 3: Die Epstein-Akten
Nachdem das Justizministerium unter Trump dazu verdonnert wurde, die Epstein-Akten zu veröffentlichen und das mit einiger Verzögerung und einiges an Schwärzungen auch getan hat und dann einige der Schwärzungen zurücknahm, stehen auch Vorwürfe gegen Donald Trump im Raum. Während ein Europa einige ehemalige Politiker und ein ehemaliger Prinz genau untersucht werden, passiert bei Trump jedoch nicht viel. Trotzdem ist es natürlich schlecht für sein Image, also braucht er eine Ablenkung. Und da kommt sie auch schon:
Akt 4: Der Angriffskrieg auf den Iran
Ich habe schon gesagt, dass ich nichts über diesen Krieg schreiben will. Irans herrschendes Regime kann gerne zur Hölle fahren, aber die Auslöschung einer ganzen Zivilisation anzudrohen, wie es Trump tut, ist schon ohne es durchzuführen ein Kriegsverbrechen.
Dass Trump damit die Weltwirtschaft in eine Krise gestoßen hat, ist eigentlich nur eine Nebensache. Für Trump ist es natürlich die Hauptsache, weil es ihn schlecht dastehen lässt. Also gibt er anderen die Schuld, gibt vor, zu verhandeln, stellt Ultimaten, die er immer wieder verlängert (wobei damit mal wieder Insiderhandel betrieben wird) und führt sich auf die ein Kleinkind, dass nicht die Schokolade kriegt, die es will.
Worauf ich hinaus möchte
Das alles ist noch nicht so lange her. Es ist alles in den ersten vier Monaten dieses Jahres passiert. Trotzdem ist in der breiten Berichterstattung außer von dem Irankrieg davon kaum noch zu hören. Weil Trump den stinkenden Haufen, den er hingesetzt hat, immer wieder mit einem anderen Haufen überdeckt. An den ganzen Scheiß, der letztes Jahr passiert ist, garnicht zu denken.
Wir dürfen aber nicht vergessen, was Trump alles gemacht hat. Und das gilt nicht nur für Trump, sondern für alle seiner Art. Und insbesondere müssen wir (als Welt, aber insbesondere als Europa) uns merken, dass man den USA unter Trump nicht vertrauen kann. Und dass die Politik in den USA auch ohne Trump so weit entglitten ist, dass man einer gemäßigten Regierung nur innerhalb ihrer Legislaturperiode trauen kann, weil danach wieder der nächste größenwahnsinnige Rassist an die Macht kommen kann. Wir müssen es so ähnlich halten wie die Ölkonzerne mit Bezug auf Venezuela: Dort zu investieren ist eine schlechte Idee, weil es so instabil ist, dass morgen alles verloren sein kann.
Insbesondere bedeutet das auch, das wir kein Geld in Palantir, eine Spionagesoftware geben dürfen. Nur zwei der Gründe:
- Damit geben wir die ganzen gesammelten Daten effektiv an die USA
- Peter Thiel, der Palantir-Typ ist ein Feind der Demokratie und betrachtet die Regulierung von „AI“ als den Antichristen (wortwörtlich).
Ebensowenig dürfen wir US-Behörden erlauben, politische Ansichten, sexuelle Orientierung oder „Herkunft“ von uns abzufragen. Idealerweise sollten wir diese Daten selber nicht halten. So etwas ist brandgefährlich, solche Listen haben schon die Nazis genutzt. Wenn so eine Liste erst einmal besteht und in die falschen Hände gerät, dann gute Nacht. Dann lieber kein vereinfachtes Visumsverfahren für die USA.
Aber noch einmal das Wichtigste: Wir dürfen nicht vergessen, was Trump alles angestellt hat. Und wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, es darf nicht das neue „normal“ werden, was gerade passiert. Weder bei Trump noch bei Russland noch bei der AfD, und nicht einmal bei dem, was die CDU/CSU bei uns gerade treibt.