Das es mit der deutschen Bahn Probleme gibt, weiß jeder in diesem Land. Jeder Leser dieses Blogs wird hier auch immer wieder Artikel finden, in denen ich mich über die deutsche Bahn aufrege. Zum Beispiel, wenn die Bahn mich bei hochsommerlichen Temperaturen sitzen lässt. Oder wenn die Bahn nach stundenlangem Warten in der Kälte überhaupt nicht kommt. Oder wenn es einen Klimaausfall gab. Oder wenn ich am Ticketkauf verzweifle. Oder beim Kaufen einer Bahncard. Oder wenn ich unerwünschte Werbung erhalte und sich niemand dafür zuständig fühlt. Oder wenn ich schon vor der Abfahrt in Verspätungs-Doomscrolling verfalle.
Dabei finde ich es an sich gut, dass es die Bahn gibt. Sie sollte nur besser sein, als sie es momentan ist. Wahrscheinlich hätte man sie auch nie privatisieren sollen. Ich sage nicht, dass man einfach Geld auf das Problem werfen sollte, um es zu beheben, denn das Geld muss auch effektiv und effizient eingesetzt werden. Aber die Bahn braucht mehr Geld, und wir müssen wegkommen von dieser Autodominanz. Nicht nur, weil ich nicht gerne Auto fahre, sondern weil der Autoverkehr insgesamt noch teurer ist, die Umwelt gleich in mehrerlei Hinsicht belastet, defährlich für alle Verkehrsteilnehmer ist und einen unglaublichen Lärm erzeugt.
Damit mehr Leute die Bahn benutzen, muss sie aber nicht nur besser werden, sondern auch günstig genug. Für den Regional- und Nahverkehrt gibt es ja jetzt das Deutschlandticket (auch wenn an diesem immer wieder gesägt wird und statt wegen der Ölkrise dank Trumps Irankrieg wieder ein 9 €-Ticket einzuführen, lieber Autotreibstoff subventioniert wird)- Für den Fernverkehr sind Tickets aber sehr teuer.
Deswegen klingt es erst einmal gut, wenn man hört, dass die privatwirtschaftliche italienische Bahngesellschaft Italo in Deutschland Strecken übernimmt. Konkurrenz belebt das Geschäft und so, richtig? Nun Katja Diehl, Verkehrswende-Aktivistin, sieht das anders. Italo übernimmt nämlich die profitablen Fernverkehrsstrecken München-Dortmund und München-Hamburg. Das sind teure Strecken, die damit vielleicht günstiger werden. Nur: Die deutsche Bahn nutzt diese Strecken, um ihre restlichen Operationen zu querfinanzieren. Wenn die Bahn kein Geld mehr aus dieser Quelle bekommt, muss sie woanders sparen, und damit wird die Zuganbindung in Deutschland insgesamt schlechter.
Ich finde, das ist ein gutes Argument, und wieder ein schönes Beispiel für „Gewinne privatisieren, Verluste verstaatlichen“. Die deutsche Bahn ist immernoch größtenteils in staatlicher Hand, wenn ich mich nicht irre. Das Schienennetz sowieso. Und die Bahn ist nicht dazu da, Gewinne zu machen. Die Bahn ist dazu da, Leuten Mobilität zu ermöglichen. Es werden ja auch Milliarden Steuergelder in Autobahnen gesteckt. Warum privatisieren wir nicht einmal ein paar von den Autobahnen, so ähnlich wie auf Frankreichs Mautstrecken, und stecken das Geld, das wir hier an Wartung sparen in die Bahn und das Schienennetz?