Stranger Than Usual

Advertising is the graffiti of the rich.

2026: So schnell vergessen

2026 ist schon wieder zu einem Drittel um. Und was für ein Jahr war es bisher. Weltpolitisch ein Scheißjahr, womit es ich gut in die Reihe der vorherigen Jahre einreiht. Ich möchte hier noch einmal die Aufmerksamkeit auf das enfant terrible, Donald Trump, lenken. Nicht, weil der nicht genug Aufmerksamkeit bekommt (die kriegt er, mehr als genug), sondern weil er es immer wieder schafft, dass wir seinen bisherigen Bullshit aus den Augen verlieren, weil er woanders einen neuen Haufen hingesetzt hat.

Akt 1: Venezuela

Wie fing das Jahr an? Donald Trump ist in ein fremdes Land einmarschiert, hat den Präsidenten / Diktator von Venezuela Nicolás Maduro entführt und sich hingestellt und behauptet, dass das Öl in Venezuelas Boden den USA gehört und er vollen Zugriff darauf haben möchte.

Ich habe jetzt kein besoneres Mitleid mit Maduro, aber dieser Angriff war nach meinem Verständnis definitiv völkerrechtswidrig. Und die Ausbeutung des Venezuelanischen Öls ist auch nicht so einfach, wie sich Trump das vorstellt.

Oh, und eine anonyme Person hat 400000 $ damit gemacht, auf die Entführung Maduros zu wetten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Akt 1 Grönland (zweiter Handlungsstrang)

Parallel dazu hat Donald Trump erneut seinen Bullshit mit Grönland wieder angefacht. Obwohl die USA bereits militärische Basen auf Grönland haben und sogar nocht mehr bauen dürften, behauptet er, die Sicherheit der USA hingen davon ab. Er droht praktisch mit einem Angriff auf Grönland (offiziell Teil von Dänemark), was einen Angriff auf seine eigenen Nato-Verbündeten bedeuten würde. Grönland und Dänemark waren not amused. Wie das der Sicherheit der USA nutzen soll, ist unklar.

-Möglicherweise ging es auch hier wieder um Rohstoffe: Wenn Trump den Klimawandel weiter so aggressiv vorantreibt, sind Grönlands Rohstoffvorkommen bald viel besser zu erschließen.

Am Ende haben mehrere anderen Nato-Staaten (u.a. auch Deutschland) kleinere Gruppen ihrer Armeen nach Grönland gesandt, vermutlich hauptsächlich um den Amis zu demonstrieren: Wenn ihr Grönland angreift, greift ihr uns alle an.

Akt 2: Minnesota

Noch während sich die Sache mit Grönland hinzieht, belagert Trumps SA (auch bekannt als ICE) die Stadt Minneapolis. Friedliche Demonstranten werden getötet, Menschen werden entführt, Kinder werden als Geiseln genommen, um ihre Eltern hervorzulocken. Am Ende lässt Trumps Regime die Leute abziehen, ohne allerdings irgendein Fehlverhalten einzugestehen

Akt 3: Die Epstein-Akten

Nachdem das Justizministerium unter Trump dazu verdonnert wurde, die Epstein-Akten zu veröffentlichen und das mit einiger Verzögerung und einiges an Schwärzungen auch getan hat und dann einige der Schwärzungen zurücknahm, stehen auch Vorwürfe gegen Donald Trump im Raum. Während ein Europa einige ehemalige Politiker und ein ehemaliger Prinz genau untersucht werden, passiert bei Trump jedoch nicht viel. Trotzdem ist es natürlich schlecht für sein Image, also braucht er eine Ablenkung. Und da kommt sie auch schon:

Akt 4: Der Angriffskrieg auf den Iran

Ich habe schon gesagt, dass ich nichts über diesen Krieg schreiben will. Irans herrschendes Regime kann gerne zur Hölle fahren, aber die Auslöschung einer ganzen Zivilisation anzudrohen, wie es Trump tut, ist schon ohne es durchzuführen ein Kriegsverbrechen.

Dass Trump damit die Weltwirtschaft in eine Krise gestoßen hat, ist eigentlich nur eine Nebensache. Für Trump ist es natürlich die Hauptsache, weil es ihn schlecht dastehen lässt. Also gibt er anderen die Schuld, gibt vor, zu verhandeln, stellt Ultimaten, die er immer wieder verlängert (wobei damit mal wieder Insiderhandel betrieben wird) und führt sich auf die ein Kleinkind, dass nicht die Schokolade kriegt, die es will.

Worauf ich hinaus möchte

Das alles ist noch nicht so lange her. Es ist alles in den ersten vier Monaten dieses Jahres passiert. Trotzdem ist in der breiten Berichterstattung außer von dem Irankrieg davon kaum noch zu hören. Weil Trump den stinkenden Haufen, den er hingesetzt hat, immer wieder mit einem anderen Haufen überdeckt. An den ganzen Scheiß, der letztes Jahr passiert ist, garnicht zu denken.

Wir dürfen aber nicht vergessen, was Trump alles gemacht hat. Und das gilt nicht nur für Trump, sondern für alle seiner Art. Und insbesondere müssen wir (als Welt, aber insbesondere als Europa) uns merken, dass man den USA unter Trump nicht vertrauen kann. Und dass die Politik in den USA auch ohne Trump so weit entglitten ist, dass man einer gemäßigten Regierung nur innerhalb ihrer Legislaturperiode trauen kann, weil danach wieder der nächste größenwahnsinnige Rassist an die Macht kommen kann. Wir müssen es so ähnlich halten wie die Ölkonzerne mit Bezug auf Venezuela: Dort zu investieren ist eine schlechte Idee, weil es so instabil ist, dass morgen alles verloren sein kann.

Insbesondere bedeutet das auch, das wir kein Geld in Palantir, eine Spionagesoftware geben dürfen. Nur zwei der Gründe:

Ebensowenig dürfen wir US-Behörden erlauben, politische Ansichten, sexuelle Orientierung oder „Herkunft“ von uns abzufragen. Idealerweise sollten wir diese Daten selber nicht halten. So etwas ist brandgefährlich, solche Listen haben schon die Nazis genutzt. Wenn so eine Liste erst einmal besteht und in die falschen Hände gerät, dann gute Nacht. Dann lieber kein vereinfachtes Visumsverfahren für die USA.

Aber noch einmal das Wichtigste: Wir dürfen nicht vergessen, was Trump alles angestellt hat. Und wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, es darf nicht das neue „normal“ werden, was gerade passiert. Weder bei Trump noch bei Russland noch bei der AfD, und nicht einmal bei dem, was die CDU/CSU bei uns gerade treibt.

Rollenspielszenen: Bassbombe

Rollenspielszene. Wir sind die Band „Spice of Life“, die eigentlich eine Gruppe von Spionen der Wasted Lands ist, die jetzt auf Tournee durch verschiedene ikarische Militärlager reist.

Wir wissen seit einiger Zeit, dass das ikarische Militär (oder der Geheimdienst?) einen Anschlag auf uns plant, um publikumswirksam für den Krieg gegen die Wasted Lands zu werben. Wir sind gerade in einem Feldlager nahe der Front angekommen. Wir vermuten, dass der Anschlag hier passieren soll, weil die Gelegenheit am Günstigsten ist. Der Lead Singer ΦΦ (ausgesprochen: „Fiffi“) schafft es, mit seinen dressierten Ratten ein versiegeltes Dokument zu ergattern, in dem der Plan für unseren Tod steht: Während unseres Auftrittes soll eine Bombe auf der Bühne explodieren.

Wir machen einen Gegenplan. Wir suchen die Bombe, bringen sie ins Zelt des Lagerkommandeurs und machen uns mit dem Dokument aus dem Staub. Dazu müssen wir nur erst einmal die Bombe finden. Fiffi will schon wieder seine Ratten losschicken, doch Anis wirft nur einen Blick über die Bühne, geht zum Bassverstärker und identifiziert ihn korrekt als das Bombenversteck.

Der Spielleiter dazu:

Der Gedankengang dahinter war: Musiker überprüfen vor dem Auftritt immer ihr Equipment, aber Bassisten sind halt keine Musiker.

Kontinuierlich Schrittweise

Heute habe ich diese Illusion in den Weiten des Netzes gefunden:

Zwei kurze, waagerechte Streifen (blau und gelb) bewegen sich parallel zueinander über einen Hintergrund mit regelmäßigen senkrechten schwarz-weißen Streifen. Obwohl sie sich gleichmäßig bewegen entsteht die Illusion, dass sie sich abwechselnd schrittweise bewegen. Gegen Ende der Animation wird der Hintergrund einheitlich grau und man kann klar erkennen, dass sich die Streifen gleichmäßig bewegen.

(Die Animation steht unter der CC BY-SA 4.0-Lizenz und wurde von Rinuraeni erstellt).

Ich weiß nicht, ob das für jeden Beobachter gleich aussieht, aber für mich sieht es so aus, als ob sich die farbigen Streifen abwechselnd Schrittweise bewegen. Tatsächlich bewegen sie sich aber kontinuierlich mit gleicher Geschwindigkeit. Wenn ich einen der Streifen abdecke und mich auf den anderen konzentriere, kann ich das auch sehen, bevor es am Ende mit grauem Hintergrund offensichtlich wird.

PS: Die ursprüngliche Datei war eine 296 kiB-große GIF-Datei. Als animiertes WebP ist sie nur noch etwa 42 kiB groß.

Digital Independence Day im Mai 2026

Gestern war wieder Digital Independece Day. Im April hatte ich ja ausgesetzt (und dafür aber den kompletten Tag keinen Computer verwendet). Dieses Mal wollte ich wieder etwas machen, mir ist aber nichts eingefallen. Die Sachen auf der offiziellen DID-Seite? Habe ich entweder schon gemacht (z.B. nutze ich seit 2007 hauptsächlich Linux), betreffen mich nicht (z.B. habe ich Facebook nie benutzt) oder sind für mich ironischerweise ohne Google Playstore nicht möglich (z.B. die Umstellung auf Wero). Anderen Leuten helfen oder sie bekehren? War gestern für mich logistisch nicht möglich.

Immerhin haben sich SPD, Grüne und Linke jetzt endlich von Χitter verabschiedet. War imho lange überfällig, aber besser spät als nie. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass auch die Unionsparteien und die FDP nachziehen, dann wären alle größeren demokratischen Parteien nicht mehr dort. Die traditionellen Medien, insbesondere die öffentlich-rechtlichen, sollten sich auch von dort verabschieden, sofern sie es nicht schon getan haben.

Für mich wiederum gibt es vielleicht irgendwann sonst diesen Monat eine Chance, anderen beim Loskommen von großen Tech-Konzernen zu helfen.

Slopc: Humor oder Horror?

Es gibt ja in letzter Zeit immer wieder Diskussionen über Codegenerierung durch LLMs und „Vibe Coding“, also das LLM nicht nur kleine Teile des Codes, sondern gleich mehr oder weniger das ganze Projekt generieren zu lassen (man sollte meinen, dass zumindest letzteres das offensichtlich eine schlechte Idee ist. Ist es auch, nur ist es für manche Menschen anscheinend nicht so offensichtlich).

Um diesen Prozess jetzt zu vereinfachen, hat jemand das slopc-crate für Rust geschrieben. Einfach das #[slop]-Makro vor eine Funktion setzen, und das Makro erzeugt mithilfe eines LLMs alle todo!-Makros durch LLM-generierten code, indem es den Doc-Kommentar der Funktion als Teil eines Prompt nutzt.

Die Inspiration dafür beschreibt der Autor so:

[…] felt like discovering your car has heated seat after 2 years on a lease. But then the intrusive thoughts came in: What if those heated seats were LLM driven, on fire, and the car is now driving itself into oncoming traffic ?

The voices in my head drove me to draft up some cursed proc-macro that would make my coworkers (me and my 2 cats) loose all the respect and faith they have for my technical skills.

HTTP 3

HTTP 3. Eigentlich ist die Schreibweise „HTTP/3“, aber mich irritiert das immer. Wie soll man das denn aussprechen? „HTTP geteilt durch drei“? Oder „HTTP oder drei“? Warum ist da ein Schrägstrich?

Ist ja auch egal. Zu HTTP 3 gibt es unterschiedliche Meinungen. Auf der einen Seite gibt es Leute, die meinen, HTTP 3 sei zu komplex (und damit ein Sicherheitsrisiko), würde nur dann etwas bringen, wenn man ganz bestimmte Anforderungen hat oder sei sowieso doof, weil Google zu sehr seine Finger im Spiel hatte. Auf der anderen Seite gibt es Leute, die sagen, man müsse es unbedingt nutzen, weil es alles so viel schneller macht und ja sowieso das Neueste und Beste ist, und wer sich dagegen ausspricht sei ein zurückgebliebener Maschinenstürmer (wen überhaupt die Möglichkeit in Betracht gezogen wird, dass sich jemand dagegen aussprechen könnte). Dazwischen gibt es eine ganze Menge nuancierter Meinungen.

Ich selbst spiele schon seit einer Weile mit dem Gedanken, es für mein Blog einfach mal auszuprobieren. Es scheiterte immer wieder daran, dass die nginx-Version auf meinem Server das Feature nicht aktiviert hatte und ich definitiv keine nginx-Version installieren wollte, die nicht aus dem Paketmanager stammt (wegen des Wartungsaufwands). So ähnlich ging es mir ja auch mit Brotli, wobei ich Brotli wirklich dringend nutzen wollte, während HTTP 3 nur ein „probieren wir es mal“ ist.

Zwischenspiel: HTTP 2 und nginx

Ich nutze nginx als HTTP-Server. Um sicherzustellen, dass meine nginx-Konfiguration gültig ist, habe ich /usr/sbin/nginx -t ausgeführt. Ergebnis, ohne dass ich irgendwas geändert hätte:

the "listen ... http2" directive is deprecated, use the "http2" directive instead in [REDACTED]

Ok, kurz nachgeschaut und diese Zeilen hier

listen 443 ssl http2;
listen [::]:443 ssl http2;

Durch diese ersetzt:

listen 443 ssl;
listen [::]:443 ssl;
http2 on;

Selbst wenn das mit dem HTTP 3 also nichts werden sollte habe ich immerhin meine nginx-Config auf den aktuellen Stand gebracht.

HTTP 3 mit nginx

Ich habe nach der offiziellen nginx-Dokumentation zu HTTP 3 gearbeitet. Der wichtigste Teil ist, hinter diesen Zeilen, die für HTTP 1 und 2 zuständig sind:

listen 443 ssl;
listen [::]:443 ssl;

Diese beiden Zeilen einzufügen:

listen 443 quic reuseport;
listen [::]:443 quic reuseport;

WICHTIG: Hier habe ich ein bisschen kämpfen müssen. Ohne reuseport funktionierte es bei mir überhaupt nicht. Es wird allerdings überall davor gewarnt, reuseport mehr als ein Mal zu verwenden. Ich habe in meiner nginx-config aber mehrere virtuelle Server. Kann ich dann nicht alle mit HTTP 3 betreiben? Doch, natürlich kann ich das. Aber es muss genau einer davon reuseport definiert haben (pro port + IP-Version).

Dann kann man noch ein paar weitere Optionen setzen, zum Beispiel diese hier:

quic_retry on; 
ssl_early_data on; 
quic_gso on; 
add_header Alt-Svc 'h3=":443"; ma=86400';

Die ersten drei sind optional und sollten die Performance verbessern oder so. Speziell die dritte funktioniert nur unter Linux. Die vierte Option, der Alt-Svc header hingegen ist recht wichtig. Denn ohne den erkennen User-Agents (z.B. Browser) nicht, dass es neben der HTTP 1 bzw. 2-Verbindung auch noch eine HTTP 3-Option gibt. HTTP 3 läuft über ein komplett anderes Transport-Layer-Protokoll (UDP statt TCP). Während bei HTTP 1 also ein Update zu HTTP 2 über das Protokoll selber sehr einfach möglich ist ohne auch nur die TCP-Verbindung neu zu verhandeln, geht das bei HTTP 3 nicht. Ohne diesen Header wird also vermutlich kaum ein Browser probieren, HTTP 3 zu verwenden. ma=86400 bedeutet, dass sich der User-Agent das für 86400 Sekunden (also 24 Stunden) merken soll. Vielleicht drehe ich das später mal höher, wenn HTTP 3 bei mir über längere Zeit stabil läuft.

Testen mit curl

Bevor ich diesen Alt-Svc-Header aber gesetzt habe, wollte ich wissen, ob HTTP 3 auch stabil läuft (was gut war, denn zunächst lief es wegen der reuseport-Sachen nicht stabil). Dazu wollte ich curl verwenden. Bei meinem Ubuntu 25.10 ist curl aber leider noch ohne HTTP 3-Unterstützung gebaut. Das kann man mit curl --version herausfinden. Wenn da unter features nirgendwo HTTP 3 gelistet ist, kann dieses curl kein HTTP 3.

Ironischerweise hat ausgerechnet mein Server selber eine curl-Version mit HTTP 3-Unterstützung. Ironischerweise, weil der Server mit Debian läuft und Debian eigentlich notorisch dafür ist, alte („stable“) Versionen zu benutzen. Die curl-Version ist übrigens die gleiche wie auf Ubuntu, aber halt mit HTTP 3-Support gebaut.

So konnte ich dann mit diesen beiden Befehlen (jeweils für IPv4 bzw. IPv6) testen, ob es geht:

curl -4 --http3-only -v https://blog.strangerthanusual.de/
curl -6 --http3-only -v https://blog.strangerthanusual.de/

Bei Erfolg bekam ich eine ganz normale HTTP-Antwort. Ohne reuseport kam nur

Failed to connect to blog.strangerthanusual.de port 443 after 30055 ms: Could not connect to server

Wie geht es weiter?

Ich lasse das jetzt erst einmal eine Weile so laufen und schaue mir an, wie gut es läuft. Ich werde das allerdings nicht rigoros monitoren oder methodisch korrekt untersuchen. Wenn es gut läuft, werde ich vielleicht noch einen HTTP Resource Record in meine DNS-Config packen, so dass User-Agents schon bei der Adressaufösung mitbekommen, dass hier HTTP 3 angeboten wird.

Nicht verschweigen möchte ich, dass ich bei meinen Recherchen auf Berichte zu einem Bug gestoßen bin, der in Kombination mit reuseport und soft-reload der nginx-Konfiguration Probleme bereitet. Also sollte ich hier ein bisschen vorsichtig sein.

Aber immerhin. Firefox nutzt gerade schon mit Freude die HTTP 3-Verbindung. Wie viel mir das jetzt tatsächlich bringt sei mal dahingestellt.

Käsekuchenkarte

Ich hatte gestern Abend eine Rollenspielrunde. Perfekte Gelegenheit um etwas zu backen. Da einer der Spieler Veganer ist und ich einige Wochen vorher auf Mastodon auf ein veganes Käsekuchenrezept gestoßen bin, habe ich einen Käsekuchen gebacken. Um die Vorfreude anzufeuern habe ich ein Foto gemacht und in die Signal-Gruppe geposted.

Ein Käsekuchen in einer Springform, von oben fotografiert.

Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich!

Schritt 2: Ein Bildausschnitt

Dann bin ich auf eine Idee gekommen. Inspiriert dazu hat mich „Alternative Moons“. Um die Idee umzusetzen brauchte ich aber erst einmal einen Bildausschnitt mit nur dem Käsekuchen:

Ein ellipsenförmiger Ausschnitt des Käsekuchens von oben. Der Rahmen ist nicht mehr zu sehen, nur noch der Käsekuchen

Schritt 3: Vollmond

Im nächsten Schritt habe ich das Kuchenbild in Graustufen umgewandelt. Es sieht ein bisschen wie der Mond aus, oder?

Derselbe Bildausschnitt wie vorhin, aber in Graustufen

Schritt 4: Farbe

Ein Mond ist schön und gut, aber mein Ziel ist eine Weltkarte. Vielleicht für eine Fantasywelt oder so. Ich habe ein bisschen mit der „select by color“-Funktion von Gimp herumgespielt und das Wasser vom Land getrennt. Beim Land habe ich dann die Grauwerte invertiert, damit es auf beiden Seiten dunkle Flächen gibt. Den Ozean habe ich dann blau, die Landfläche bräunlich eingefärbt.

Derselbe Bildausschnitt wie vorhin, aber ein großer Teil der Fläche ist jetzt in Blautönen, der Rest in Brauntönen. Es sieht aus wie eine Weltkarte mit Ozean, einem Kontinent und ein paar Inseln.

Schritt 5: Mehr Farbe

So ganz einfarbig ist der Kontinent langweilig. Ich habe noch ein bisschen mit der Auswahlfunktion von Gimp herumgespielt und eine Teilauswahl des Landes genommen, die ich stattdessen grün eingefärbt habe. Die braunen Flächen halten sich jetzt in Grenzen, setzen aber Akzente.

Dieselbe „Weltkarte“ wie vorhin, aber die Landflächen sind jetzt größtenteils in Grüntönen. Hier und da gibt es aber auch bräunliche Flächen.

Ich habe die Bilder in voller Größe auf Pixelfed.de geposted.

Rollenspielszenen: Summen

Rollenspielszene: Nini das Ziri und Sprinkle der Orren sind angeheuert worden, um bei der Suche nach einem versteckten Schatz zu suchen. Dummerweise haben ein Haufen Scawn ebenfalls Wind von dem Schatz bekommen und den Rassimelarchäologen Cory entführt, der ihnen bei der Schatzsuche helfen soll.

Mitten in der Nacht schleicht sich Nini an das Lager der Scawn an, um Cory zu befreien. Nini kann dank eines Zaubers im Dunkeln sehen, die Scawn nicht. Nini ist noch kleiner als die Scawn. Nini hat sich mit Dreck eingerieben, um schlechter sichtbar zu sein. Nini ist nicht mehr als ein Schatten in der Dunkelheit. Nini ist cool! Nini beginnt, eine Actionmusik zu summen, um ziener Coolheit Ausdruck zu verleihen.

Die Scawn, die Cory bewachen, wundern sich über die Actionmusik und entdecken Nini. Innerhalb kürzester Zeit ist das halbe Lager auf den Beinen.

Soßenerfolg

2014 habe ich in meinem damaligen Kochprojekt Spargel mit holländischer Soße gemacht. Damals hatte ich Hilfe. Seitdem habe ich mehr oder weniger jedes Jahr versucht, die holländische Soße alleine hinzukriegen. Aber sie war nie richtig cremig, immer zu flüssig.

Schwierig daran, das Rezept richtig zu lernen war, dass ich eigentlich nur etwa ein Mal im Jahr überhaupt versuche, diese Soße zu machen. Bis ich es dann wieder versuche, habe ich längst vergessen, was ich anders machen sollte als beim vorherigen Mal. Aber dieses Jahr habe ich es endlich geschafft:

Ein Teller, auf dem drei Stangen Spargel und eine kleine Kartoffel liegen, mit einer Soße bedeckt.

Ein wichtiger Unterschied zu meinem damals aufgeschriebenen Rezept: Ich habe den Weißwein und das Eigelb zuerst schon schaumig geschlagen, und erst dann im Wasserbad unter Rühren erhitzt. Der Rest ist identisch.

Spargel schälen kann ich hingegen immer noch nicht wirklich gut.

Alternative Arithmetik

Im dystopischen Roman 1984 von George Orwell ist eine der Strategien, wie die Partei die Macht behält, die Kontrolle der Realität der Menschen. Selbst etwas falsches zu denken ist ein Verbrechen. Es wird sogar an einer Sprache, „Neusprech“ gearbeitet, in der es unmöglich sein soll, unerwünschte Gedanken auch nur auszudrücken.

Eines der Beispiele, dass im Buch genannt wird, ist 2 + 2 = 4. Und wenn die Partei sagt, dass 2 + 2 = 5 ist, dann ist das so, und die Menschen sollen es mit voller Überzeugung glauben. Trotzdem sollen sie, wenn es für ihre Aufgaben nötig ist, weiterhin an 2 + 2 = 4 glauben. Das wird in Neusprech als „Doppeldenk“ bezeichnet: Die Fähigkeit, zwei widersprüchliche Informationen im Kopf zu halten und beide für wahr zu erachten.

Dieses Beispiel sollte wohl darstellen, wir absolut grundlegende Wahrheiten komplett verdreht werden können. Und ich habe es immer für eine dystopische Übertreibung gehalten. Bis Robert Fucking Kennedy Junior neulich in einer Senatsanhörung allen ernstes behauptet hat, dass es mehrere Arten gibt, Prozentrechnung zu betreiben und in einer davon sei eine Reduzierung von 600 Dollar auf 10 Dollar 600%.

Allein die Tatsache, dass Politifact sich dazu genötigt sah, zu dieser Aussage einen Faktencheck zu machen (Ergebnis: natürlich „Pants on Fire“) sagt eigentlich schon alles. Nämlich das wir jetzt Faktenchecks brauchen, um offensichtliche, objektive Falschaussagen über FUCKING ARITHMETIK bloßzustellen. Wir sind natürlich noch nicht auf 1984-Niveau, schließlich darf man diese Faktenchecks noch machen. Aber eigentlich sollte so eine Aussage den Gesundheitsminister sofort für irgendein Amt disqualifizieren.

Vor zehn Jahren hatte ich nichts bis kaum etwas über Donald Trump gehört. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass zehn Jahre später der US-Präsident ein Klimawandelleugner wäre, hätte ich mich nicht gewundert. Wenn mir jemand gesagt hätte, dass der US-Gesundheitsminister ein Impfleugner sein wird, hätte ich mich auch nicht gewundert. Wenn mir aber jemand gesagt hätte, dass der US-Gesundheitsminister auf einer Senatsanhörung diese abgedrehte 600%-Rechnung des US-Präsidenten offiziell verteidigt, hätte ich diese Person für verrückt erklärt.

Jetzt erkläre ich mich selber für verrückt. Ich verstehe schon seit Jahren die Welt nicht mehr, und es wird nicht besser. Das alles ist doch nicht normal! Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass das normal wird, sonst wird es normal.

PS: Meine Vermutung ist, dass Kennedy mit der kaputten Prozentrechnung nur verhindern wollte, dass er die Frage von Senatorin Warren beantworten musste, warum ein Medikament, dass in Trumps ach so tollem, um 600% reduzierten Onlineshop 200 $ kostet, als Generikum bei Costco für 16 $ erhältlich ist.